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Konfirmationsstadt Schwalmstadt: Was hat sich seit der Ernennung getan?

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Von: Maike Lorenz

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Lutz Lesch steht hinter einer hüfthohen Ablage. Darauf befindet sich das kleine Modell der Skulptur. Das Modell zeigt fünf Personen. In der Mitte befindet sich der Landgraf. Das mannshohe Modell des Landgrafen ragt hinter Lesch auf. Es steht auf einer Erhöhung.
Lutz Lesch (69) steht mit einem kleinen Modell der Skulptur in seiner Werkstatt. Die Figur im Hintergrund ist das mannshohe Modell des Landgrafen. © Maike Lorenz

Seit fünf Jahren ist Schwalmstadt Konfirmationsstadt, im Herbst 2017 wurde der Titel durch das Land Hessen offiziell zugesprochen.

Schwalmstadt – Die Idee war und ist es, Schwalmstadt als die Wiege der Konfirmation überregional bekannt zu machen. Das Potenzial damit Besucher anzulocken ist groß, meint Bürgermeister Stefan Pinhard: „Alle Protestanten haben hier ihre Wurzeln.“

Allerdings sei es eine große Herausforderung, die „Erfindung der Konfirmation“ auch greifbar zu machen, so Stadtmanager Achim Nehrenberg. „Aktuell ist das noch sehr abstrakt“, stellt er fest.

Für Besucher ist das reformationsgeschichtliche Ereignis aus dem Jahr 1539 bisher kaum wahrnehmbar. Stärkster Hinweis auf die Konfirmationsstadt sind wohl die Ortseingangsschilder.

Der Verein errichtet ein Denkmal

Um das zu ändern, wurde der Verein zur Förderung der Konfirmationsstadt gegründet, ein Denkmal soll auf dem Paradeplatz in Ziegenhain errichtet werden, berichtet Nehrenberg. Ein Drittel der Kosten werde die Stadt übernehmen, zwei Drittel muss der Verein beisteuern.

Die vom Treysaer Bildhauer Lutz Lesch (69) entworfene Skulptur zeigt den Landgrafen mit der Kirchenzuchtordnung, den Reformator Martin Bucer und drei weitere Personen. Bisher ist auf dem Paradeplatz allerdings lediglich das Fundament zu sehen.

Lutz Lesch hofft, dass ein erster Teil, die Statue des Landgrafen, bis Jahresende aufgestellt werden kann. In der Gießerei befinde sie sich mittlerweile. Nach und nach sollen dann die anderen Figuren folgen. Wann die Skulptur wirklich komplett sein wird, kann auch Lesch schwer einschätzen, womöglich 2024, sagt er.

Denkmal kostet 125 000 Euro

Bis jetzt ist das Werk allerdings noch längst nicht vollständig finanziert: 35 000 Euro sind bisher investiert worden, 20 000 Euro davon hat der Verein zur Förderung der Konfirmationsstadt gesammelt.

Das Geld stammt zum Großteil aus Spenden und den Mitgliedsbeiträgen des Vereins. Der versucht auch mit Aktionen wie dem Verkauf von Marmelade Geld zu beschaffen – der „Konfi-Türe“.

Doch von den für das gesamte Werk insgesamt veranschlagten 125 000 Euro fehlen immerhin noch 90 000 Euro. Dass es so mühsam läuft, liegt laut Stadtmanager Nehrenberg daran, dass das Ganze noch nicht so durchgedrungen sei: „Wir haben ein Henne-Ei-Problem.“ Wäre die Konfirmationsstadt mit ihrer Geschichte bekannter, wäre die Finanzierung leichter.

Überarbeitung des Internetauftritts und Audiowalk durch Ziegenhain

Seit der Ernennung zur Konfirmationsstadt sei einiges passiert, sagt Bürgermeister Stefan Pinhard. Unter anderem sei der Internetauftritt Schwalmstadts überarbeitet worden.

Um Aufmerksamkeit auf die Konfirmationsstadt zu lenken, hat es zudem zwei Wettbewerbe gegeben: In einem hätten Schulklassen sich kreativ mit dem Thema Konfirmationsstadt auseinandergesetzt, berichtet Dekan Christian Wachter. „Daraus ist ein Audiowalk durch Ziegenhain entstanden.“

Der sogenannte Konfirmationspfad besteht aus sechs Stationen. An diesen erhalten Besucher durch das Scannen eines QR-Codes Informationen über die „Erfindung der Konfirmation“ und die Orte, an denen sich die Stationen befinden.

Deutschlandweiter Ideenwettbewerb

In einem weiteren Ideenwettbewerb sollten Konfirmandengruppen aus ganz Deutschland kreative Projekte mit Bezug zur Konfirmation entwickeln und vorstellen. Insgesamt haben zehn Konfirmationsgruppen teilgenommen. Sebastian Vogt (36) vom Ideenwettbewerb sagt: „Das waren qualitativ ganz tolle Beiträge.“

Dass sich nicht noch mehr Teilnehmer um die Preise im Gesamtwert von immerhin 3500 Euro beworben haben, schreibt Sebastian Vogt auch der Coronapandemie zu. Ob es eine Wiederholung des Wettbewerbes geben wird, steht noch nicht fest.

Schwalmstadt soll Besucher anlocken

Mit Projekten wie diesen möchte Bürgermeister Pinhard Schwalmstadt überregional bekannt machen. Schwalmstadt könne so zum Beispiel zum Ziel von Konfirmandenfreizeiten werden. Auch als Treffpunkt für Konfirmationsjubiläen soll die Stadt in Zukunft attraktiv sein, sagt der scheidende Verwaltungschef.

Ziel vieler Tagesausflüge ist Schwalmstadt bereits jetzt, erzählt Heidrun Englisch (61), Geschäftsführerin des Tourismus-Service Rotkäppchenland. Für sie sei schwer feststellbar, ob die Ernennung zur Konfirmationsstadt viele Besucher anlocke, sie bemerke bei Besuchern aber ein Interesse an der „Erfindung der Konfirmation.“

Aus diesem Grund gibt es unter anderem die Stadtführung „Kunigunde und die Konfirmation“. Kunigunde von Lüder, die von Stadtführerin Gabriele Franke verkörpert wird, führt Besucher in der Stadtführung durch die Wasserfestung Ziegenhain.

Trotz einiger angestoßener Projekte sei die Konfirmation in Schwalmstadt für Besucher weiterhin schwer zu greifen, findet Achim Nehrenberg. „Es ist eine große Aufgabe, das alles erlebbar zu machen“, sagt er und ergänzt: „Das Schloss Neuschwanstein ist einfacher zu vermarkten.“ Auch für Bürgermeister Pinhard steht fest: „Das ist ein Langzeitprojekt.“

Von Ziegenhain in die ganze Welt

Die „Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung“ legt fest, dass Protestanten zur Bestätigung ihrer Taufe die Konfirmation feiern. Landgraf Philipp hat diese Ordnung 1539 unter Mitwirkung des Reformators Martin Bucer in der Festung Ziegenhain erlassen. Die Konfirmation war ein Zugeständnis an die Bewegung der Täufer, die die Meinung vertraten, dass Christen nicht als Kinder, sondern erst als Erwachsene getauft werden sollten.

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