Forstwirte und Waldarbeiter bereiten sich mit Übungen auf Holzeinschlag vor

Konfrontiert mit Risiko

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Knifflig: Die Tage einer alten Eiche sind gezählt. Sie hatte sich nach dem Fällen in benachbarten Baumkronen verfangen und war zur Bedrohung geworden. Was zu tun ist, das mussten die Forstwirte und Waldarbeiter gemeinsam erarbeiten.

Oelshausen. Es ist eine alte Eiche, die am Freitagmittag im Forstbezirk Bad Emstal oberhalb von Oelshausen die Aufmerksamkeit von gleich 50 Forstwirten und Waldarbeitern auf sich zieht. Beim Fällen nicht zu Boden gekommen, wird sie nur noch durch die Baumkronen anderer Bäume gehalten.

„Nicht ungefährlich“, sind sich die Männer einig, weshalb auch der Bereich rund um das alte Gehölz mit rot-weißem Signalband abgesperrt ist. „Achtung, Lebensgefahr“ ist darauf zu lesen, und tatsächlich haben vergleichbare Situationen in der Vergangenheit schon Menschenleben gekostet.

Sicherheitstraining

Hier aber ist alles nur Teil einer Übung, die Mitarbeiter des Forstamtes Wolfhagen sollen in ihrer jährlichen Sicherheitsunterweisung mit alltäglichen Gefahrensituationen konfrontiert werden. Sechs Fallbeispiele hat Revierleiter und Sicherheitsbeauftragter Uwe Huber gemeinsam mit Forstwirtschaftsmeister Werner Klingelhöfer vorbereitet, der als Arbeitsschutzberater bei Hessen Forst ein besonderes Auge auf die Arbeiter hat. Mit ihren Lösungsvorschlägen sind die zwei Experten einverstanden: Entweder am Schnitt leicht drehen und so die Fallrichtung beeinflussen, idealerweise aber maschinelle Unterstützung holen und den Baum über eine Seilwinde abziehen.

Kurzclip

Der Bad Emstaler Revierleiter Uwe Huber ist Sicherheitsbeauftragter

„Wir möchten unseren Mitarbeitern mit den Sicherheitstrainings bewusst machen, dass ihre Arbeitsabläufe und auch die zu treffenden Entscheidungen ganz klar sein müssen“, sagt Huber. „In diesem Fall könnte beispielsweise das stückweise Absägen des Stamms mit einem unkontrollierten Fallen des Baums zu schweren Unfällen führen.“

Weniger Unfälle

„Die Zahl schwerwiegender Zwischenfälle ist in den vergangenen Jahren merklich zurückgegangen“, berichtet Uwe Zindel, Leiter des Forstamts Wolfhagen. „Hier greift unser umfassendes Sicherheitssystem, zu dem neben der jährlichen Unterweisung und der Arbeitsschutzberatung auch kontinuierliche Gefährdungsanalysen durch die einzelnen Revierleiter gehören.“ Diese drei Säulen seien wichtiger denn je, da die Schwelle der Risikobereitschaft immer dann zurückgehe, wenn weniger Unfälle passieren. „Auch wenn unsere Arbeit eine sehr schöne ist, so bleibt sie doch gleichermaßen gefährlich“, sagt Zindel, der Dank des Sicherheitstrainings nun mit seinem Team beruhigt in die Holzernte starten kann, die von Oktober bis März geht.

Der Absatz von Brennholz hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Ein Grund dafür dürften die hohen Kosten fürs Heizöl sein (siehe Hintergrund). Wer für das nächste Saison Brennholz benötigt, sollte jetzt bei seinem Revierförster die Bestellung aufgeben.

Quelle: HNA

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