Wecker und Band begeisterten im Kulturzelt

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Gelungener Auftritt: Konstantin Wecker und seine Band begeisterten die 700 Zuschauer im Kulturzelt Wolfhagen mit ihrem facettenreichen Programm.

Wolfhagen. Er prangert Missstände an, verzeiht Sünden großherzig. Fordert Aufrichtigkeit und kann doch gut mit angepassten Lügnern leben. Ist eisenhart in der Kritik am Establishment. Konsequent hat Konstantin Wecker die Gegensätzlichkeit auch in den Titel seiner Tour gelegt: Wut und Zärtlichkeit.

Bunte Perlen reiht der Münchner Poet und Liedermacher aneineinander - jede einzelne schillernd in Präzision von Worten und musikalischer Ausgestaltung. Und für jede Perle zeigen sich die 700 Besucher im Kulturzelt dankbar, mal mit frenetischem Applaus, mal mit sich wiegenden Schultern, manchmal mit atemlos stiller Spannung.

Eine verbindende Kette brauchen die Perlen nicht: Vom Absurdistan einer dem Wachstumswahn verfallenen Welt bis zu den hirntoten Damen vom Kö nimmt Wecker sein Publikum mit auf eine sehr persönliche Zeitreise mit lauten Ausbrüchen und innigen Sequenzen.

66 Jahre alt ist er - und natürlich gereift. Das gibt den früheren Werken wie „Bleib nicht liegen“ oder „Sage Nein!“ neue Tiefe, oft auch Schärfe, wo in den 70- und 80er-Jahren keine war. Die neueren Lieder sind nicht weniger eindringlich, aber noch ausgefeilter, detailverliebter, facettenreicher - aber irgendwie auch versöhnlicher.

Dem Älterwerden ist dies sicher nicht geschuldet, denn die Wucht, mit der Wecker die Stimme nicht nur als Wort-Träger, sondern auch als Instrument benutzt, und das Gefühl, mit dem er die Saiten des Flügels Lieder singen lehrt, sind ungebrochen.

In seiner Lust, sich auf Menschen einzulassen und den Finger in Wunden zu legen, ist Wecker sogar noch freier und radikaler geworden als in Zeiten seines Rebellentums. Doch heute beherrscht er auch die Kunst des Loslassens und des Ausgleichs, kann dem druckvollen Protest im „Weltenbrand“ ein liebkosend sanftes Liebeslied entgegensetzen und wirkt in beiden glaubwürdig. Immer, ob im Widerstand oder im Sichverzehren, geht Wecker an die Grenze, doch nie über diese hinweg.

Das Programm von Wut und (ganz viel) Zärtlichkeit, in dem der Münchner verstärkt auch seine kabarettistische Ader („Die Kanzlerin“) anzapft, wird mitreißend unterstützt von seiner Band.

Der Däne Nils Tuxen lautmalert wie kaum ein anderer mit der Pedal Steel-Gitarre und geht mit Saiten so versiert um wie Jens Fischer, der zudem noch beatboxend den Koffer zum Schlagzeug macht. Und was wäre Konstantin Wecker ohne seinen Vertrauten Jo Barnikel am zweiten Klavier, der versiert die musikalischen Strippen zieht. Donnerstag im Kulturzelt: Bosse, 20 Uhr

Von Cornelia Lehmann

Quelle: HNA

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