Interview zum Thema Überwachung der Zirkusse durch das Veterinäramt

Tiere in der Manege: "Jeder Zirkus wird kontrolliert"

Es muss nicht immer Tiger sein: Egal welche Tiere ein Zirkus für Tierschauen und Auftritte in der Manege hält, er wird vom Veterinäramt kontrolliert. Im Bild Sascha Prehn und zwei Tiger vom Zirkus Herkules. Foto:  Archiv

Schwalm-Eder. Es gibt kaum einen Zirkus - ob groß, ob klein - der nicht mit Tieren unterwegs ist. Das Staatliche Veterinäramt in Homberg ist zuständig für die Überwachung dieser Zirkusse. Der Leiter des Amtes, Dr. Dirk Kusan, sprach mit uns über Kontrollen und Verstöße.

In der wärmeren Jahreszeit sind die Artisten mit den Tieren meist nur wenige Tage an einem Ort und ziehen nach einigen Vorstellungen weiter. Über Winter bleiben sie länger, so wie derzeit der Zirkus Alfredo in Niedervorschütz, der nach wie vor Probleme hat, seine Tiere ausreichend mit Futter zu versorgen und auf Spenden angewiesen ist.

Herr Dr. Kusan, wie erfährt das Veterinäramt, dass ein Zirkus in den Schwalm-Eder-Kreis kommt?

Kusan: Entweder melden sich die Unternehmen selbst an, oder die Gemeinden, in denen das Gastspiel stattfindet, melden den Zirkus.

Werden alle Zirkusse, die Tiere halten, kontrolliert oder nur, wenn es einen konkreten Verdacht gibt?

Kusan: Jeder Zirkus wird mindestens einmal kontrolliert, wenn er im Schwalm-Eder-Kreis sein Gastspiel startet.

Werden diese Kontrollen angekündigt?

Kusan: Nein

Was wird kontrolliert und auf welcher gesetzlichen Grundlage?

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Kusan: Es werden sowohl die Gültigkeit und der Umfang der Erlaubnis nach Paragraf elf des Tierschutzgesetzes, die jeder Zirkus haben muss, kontrolliert, als auch der Ernährungs- und Pflegezustand, sowie die Unterbringung und eventuell das Verhalten der mitgeführten Tiere. Gesetzliche Grundlage sind das Tierschutzgesetz mit dazu erlassenen Verordnungen sowie verschiedene Gutachten, die von Expertengruppen für die Haltung verschiedener „besonderer“ Tiere erstellt worden sind.

Wie oft stellt das Amt Verstöße fest?

Kusan: Kleinere Verstöße werden in der Regel immer festgestellt, jedoch von den Unternehmen unverzüglich beseitigt. Es finden dann zeitnah kostenpflichtige Nachkontrollen statt. Schwerwiegende Verstöße sind selten.

Was passiert mit den Tieren, wenn die Mindestvoraussetzungen nicht gegeben sind und auch nicht zu erwarten ist, dass sich die Situation bessern lässt?

Dr. Dirk Kusan

Kusan: Die Tiere werden an spezielle Einrichtungen, bzw. Auffangstationen gegeben, soweit diese Platz haben. Landwirtschaftliche Nutztiere werden von uns direkt vermittelt, und Kleintiere werden an Tierschutzorganisationen abgegeben. Den Fall, dass Tiere den Zurkusbetrieben fortgenommen werden müssen, haben wir zum Glück relativ selten, da die Zirkusbetriebe Haltungsmängel in der Regel sofort abstellen.

Stellen Tiere, die nicht in der Manege auftreten und somit zumindest etwas Bewegung und Abwechslung haben, ein besonderes Problem dar - also solche Tiere, die nur für Tierschauen in Käfigen gehalten werden?

Kusan: Nein. Auch hier gelten die erwähnten Vorschriften. Wenn alle geforderten Haltungsbedingungen eingehalten werden, ist gegen ein Mitführen von Schautieren nichts einzuwenden.

Plädieren Sie für ein generelles Verbot hinsichtlich der Haltung von Wildtieren? Schweden, Finnland, Dänemark und Österreich haben diese Haltung ganz oder zumindest teilweise untersagt.

Kusan: Hierbei muss man natürlich unterscheiden zwischen Wildtieren, die in Gefangenschaft geboren wurden und solchen, die gefangen wurden. Persönlich bin ich für ein generelles Verbot jeglicher Haltung von Wildfängen und für ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen. Hierfür ist jedoch der Gesetzgeber gefordert. (bmn)

Quelle: HNA

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