Pianistin Fumiko Shiraga spielte Beethoven

Konzentriert, groß und leidenschaftlich

Konzentriert, empfindsam und kraftvoll: Die Pianistin Fumiko Shiraga war im Bad Zwestener Kurhaus zu Gast. Foto:  Auerbach

Bad Zwesten. Es war ein glanzvoller Klavierabend, den die bekannte Hamburger Konzertpianistin Fumiko Shiraga am Bechstein-Flügel dem Publikum im Kurhaus von Bad Zwesten kredenzte. Höchst ausdrucksvoll verlief die Begegnung mit der Klang- und Gefühlswelt des großen Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827).

Für ihr Recital hatte die Pianistin vier der 32 Klaviersonaten Beethovens ausgewählt. In seinem genialen kompositorischen Schaffen sprengte der Komponist die bis dahin üblichen Formen. Er selbst soll um das Jahr 1800 gesagt haben, dass er neue Wege beschreiten wolle. Viele kühne, richtungsweisende Ideen waren das Ergebnis seiner stilistischen Kursänderung. Keine Sonate gleicht einer anderen. Mit künstlerischer Reife spürte Shiraga tief in die Werke hinein.

Am Klavier gab es keine großen Gesten, und nichts wirkte unüberlegt. Die Pianistin stellte einfach hohe Anforderungen an sich selbst und agierte hoch konzentriert, mit leidenschaftlichem Herz, aber stets kühlem Kopf. Zur Eröffnung interpretierte sie empfindsam und gleichzeitig kraftvoll die Sonate Nr. 17, d-Moll, op. 31 Nr. 2, genannt „Der Sturm“ aus dem Jahr 1802. Ein Werk, in dem Beethovens Exzentrik schon zu hören ist. Leise kam der Anfang des Kopfsatzes daher und versprach vordergründig Ruhe.

Aufbrausende Eruptionen

Doch schon nach wenigen Takten musste Shiraga aufbrausende Eruptionen und enorme Temposprünge beherrschen. Große Ausdruckstiefe verströmte die Tastenkünstlerin im Mittelsatz. Nach bewegten Passagen ließ sie das abschließende Allegretto gleichermaßen im Nichts verklingen. Auch die drei folgenden Sonaten brachte Shiraga von feinster Lyrik bis hin zu den erregendsten Gewaltausbrüchen in ihrer ganzen Faszination zur Entfaltung.

Bewundernswert, wie sie die extreme Gefühlswelt der „Mondscheinsonate“ (1801), die Erhabenheit und die dynamischen Gegensätze der „Grande Sonate Pathétique“ (1799) und schließlich die entfesselte Leidenschaft im Sturmlauf des Schlusssatzes der Sonate „Appassionata“ (1805) darbot. Ein außergewöhnliches, emotionales Klangerlebnis, von dem die Zuhörer hingerissen waren.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare