Konzeptkünstler Moes gestaltete "Vergessenen Raum" auf Weihnachtsmarkt

Melsungen. "Das Leben der Anderen", so lautet der Titel eines temporären "Vergessenen Raumes", den der Konzeptkünstler Edwin Moes am Mittwoch auf dem Melsunger Marktplatz präsentierte. Der "Vergessene Raum" hatte mit zehn Stunden eine kurze Halbwertszeit.

Aber Zeit genug, Menschen innehalten zu lassen inmitten von Essbuden, Glühwein- und Verkaufsständen.

Für den Niederländer war es ein erfolgreiches Projekt, vielleicht das bisher erfolgreichste in Melsungen überhaupt. Die Menschen, die gegessen und getrunken hatten, an den Ständen vorbeiflanierten, blieben stehen, manche mit der Bratwurst in der Hand, "und haben kurz inne gehalten", erzählt der 42-Jährige. Haben geguckt, was es hier zu sehen gibt, blieben an den Schaustücken des "Vergessenen Raums" hängen.

"Das ist es, was ich erreichen wollte", erklärt der Konzeptkünstler, der häufig auch durch seine gleichermaßen ausgefallene wie liebevoll ausgewählte und kombinierte Kleidung die Blicke auf sich lenkt, als wollte er sagen "ich bin anders". "Nächstenliebe", auch dieses Gefühl wollte Edwin Moes mit dem Raum auslösen. Ahnen- und Soldatenbilder, sie hätten die Passanten unwillkürlich in die Rolle eines Betrachters gebracht, in dem die Bilder die Assoziation auslösen wie "ich denke mal über das Leben der Anderen nach".

Sein vergessener Raum in einer Weihnachtsmarktbude tut, was er mit all seinen "Vergessenen Räumen" verknüpft: "Ich erzähle Geschichten von Menschen." Für ihn sei es faszinierend, auf die Suche nach Geschichten zu gehen. Weshalb? "Weil viele Menschen das Gefühl haben, in Vergessenheit zu geraten", sagt er. Vielleicht auch deshalb, weil sie sich selbst nicht wichtig fühlten.

Entstanden ist ein kleiner Raum mit einer Installation aus Bildern von Soldaten des Zweiten Weltkriegs, Dias von alten Familienbildern, Bildern mit alten Sprüchen, Poesie auf speziellem Material und einem Monitor, das Videoausschnitte von Aktionen des Konzeptkünstlers zeigte. Vorher hatte Edwin Moes drei Tage beim Weihnachtsmarkt eine Shisha-Bar aufgebaut, die von Jugendlichen gerne angenommen, von Älteren teilweise kontrovers diskutiert wurde. In der Hütte auf dem Weihnachtsmarkt symbolisierten die Soldatenportraits den Zweiten Weltkrieg. "Ein schwieriges Thema", sagt Moes, der zum Nachdenken anregen möchte über den Menschen, der diese Uniform trug, hinter der das unverwechselbare Individuum beinahe verschwindet. Der Weltkrieg endete 1945: Doch die Bilder, "die sind so nah", sagt er. Die Bilder stammen von einem Freund, der Haushaltsauflösungen macht.

Auch die Gedichte, die zu lesen waren, haben ihre Geschichte. Eine 26-jährige Kasselerin betrachtete ihn als eine Art Muse, die sie zum Schreiben inspirierte. Sie schmeichelte, attackierte ihn. "Das war wunderschöne Poesie", sagt Moes über das Werk der jungen Frau. Auszüge daraus übertrug er auf eine Art dünner Papiertischdecke, eine die leicht reißt und gleichzeitig eine Oberfläche hat, die wie Pergament aussieht. Ein Material, das sehr empfindlich und zerbrechlich ist, das sollte es sein.

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

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