Koordinatoren helfen Jugendlichen bei Berufsfindung

Geben Orientierung: Markus Reuter und Diana Döring sind an der Gesamtschule Melsungen die Koordinatoren für die Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf. Foto: Dewert

Melsungen. Nach der 9. und 10. Klasse beginnt für viele Jugendliche das Berufsleben. Wie Schulen auf die Arbeitswelt vorbereiten, stellen wir am Beispiel der Gesamtschule Melsungen vor.

Mehr als 1000 junge Menschen wollen im Schwalm-Eder-Kreis eine Ausbildungsstelle finden. Im vergangenen Jahr standen 1305 Ausbildungssuchenden 960 bei der Agentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen gegenüber. Hinzu kämen laut Agentur-Sprecherin Cornelia Harberg weitere nicht gemeldete offene Ausbildungsplätze. Die Zahlen für 2015 liegen der Agentur noch nicht vor.

Die Jungen und Mädchen fit für den Arbeitsmarkt zu machen, obliegt primär den Schulen. Am Beispiel der jüngst für diesen Bereich zertifizierten Gesamtschule Melsungen (GSM) stellen wir den schwierigen Übergang von Schule zum Beruf vor.

Diana Döring und Markus Reuter sind an der GSM die Koordinatoren für die Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule - Beruf (OloV). So nennt sich die hessenweite Strategie der Landesregierung, des Ministeriums für Wirtschaft und des Kultusministeriums. Besonderes Augenmerk liege bei Hauptschülern. Für sie gibt es wegen eingeschränkten Zulassungsbedingungen die wenigsten Ausbildungsmöglichkeiten. „Für die Schüler beginnt bereits in der Jahrgangsstufe 7 die Vorbereitung auf den Beruf“, sagt Markus Reuter, der 34-jährige Chemielehrer.

Vorbereitung auf Arbeitswelt 

„Bei einigen Schülern komme es anlässlich der Praktika erstmals zur Ernüchterung“, sagt Döring. So sei es natürlich sinnvoll, wenn sich ein Schüler das Praktikum in einem Beruf wähle, in dem er sich später einmal ausbilden lassen könne. In den klassischen Handwerksberufen, in der Logistik und im Verkauf reichte meistens noch ein Hauptschulabschluss aus. Für viele Berufe ist der Mittlere Bildungsabschluss Pflicht, außerm zöge es vermehrt Abiturienten in Ausbildungen.

Der kindliche Blick auf die Realität sei manchmal noch etwas verklärt, sagt Döring. Es könne eben nicht jeder Profifußballer werden. Auch die zu erwartenden Gehälter stimmten oft nicht mit den eigenen Lebensentwürfen überein.

Andere Schüler hingegen hätten sich bestens auf ihre Zukunft vorbereitet und die für sie möglichen Perspektiven ausgelotet. Diese Schüler hätten sehr konkrete Vorstellungen. Eine gute Empfehlung sei immer noch, den höchstmöglichen Bildungsabschluss anzustreben. Etwa die Hälfte der jährlichen 40 Hauptschulabgänger der GSM entschieden sich daher auch für die Berufsfachschule an der Radko-Stöckl-Schule, sagt Reuter. In zwei Jahren könnten die Schüler dort die Mittlere Reife nachholen.

Die Zahl der Abgänger ohne einen Schulabschluss liege bei unter zehn Prozent. Für diese gebe es auch nach der regulären Schulzeit Möglichkeiten, den wichtigen Abschluss nachzuholen.

Mit dem Programm zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt erhalten die Schüler eine zweite Chance. In ein bis zwei Jahren kann in den Eibe-Klassen zum Beispiel der Hauptschulabschluss nachgeholt werden.

Mit dem Pass ins Praktikum 

Die Fördermöglichkeiten für junge Haupt- und Realschüler sind vielfältig. Die Vorbereitung auf den Beruf läuft dabei über die OloV-Lehrer.

Ein Überblick über die Angebote und Programme:

• Kompo 7: für Haupt- und Realschüler, mit einem umfangreichen Fragebogen und vielen Spielen werden allgemeine Interessen, soziale Fähigkeiten sowie Team- und Problemlösungsfähigkeiten ermittelt. Kompetenzfeststellungsverfahren nennt sich das Programm etwas sperrig. Im Anschluss gibt es Gespräche mit den Schülern. Ausgemacht werden beispielsweise Tendenzen zu sozialen, künstlerischen oder handwerlichen Berufen.

• Berufswahlpass: Dieser wird für jeden Schüler angelegt, in ihm werden sämtliche Aktivitäten und Ergebnisse festgehalten. Er dient zur Orientierung. Der Berufswahlpass soll den Weg zur Berufswahl dokumentieren und helfen, die Jugendlichen auf ihrem Berufsfindungsweg zu unterstützen.

• BoP: Die berufsorientierende Praxis ist ein Angebot der Felsberger Jugendwerkstatt. Die Haupt- und Realsschüler der Jahrgangsstufe 8 können in einer der sieben Gruppen mit den Schwerpunkten Elektro, Verkauf, Maler, Metall, Kosmetik, Büro und Hauswirtschaft erste berufliche Erfahrungen sammeln.

• Blockpraktika: Im Erlass über die Zusammenarbeit von Schule und Betrieb sind die Berufspraktika geregelt. Mit ihnen sollen die Schüler einen Einblick in die Arbeitswelt erhalten und für die schulische und berufliche Ausbildung motiviert werden. Sie finden in den Jahrgangsstufen 8 und 9 statt.

• Ausbildungsmesse: Derzeit gibt es im Kreisteil eine große Ausbildungsmesse an der IGS Guxhagen. Nach diesem Vorbild soll beispielsweise auch an der Gesamtschule Melsungen eine solche Messe entstehen. Schüler, Eltern und Betriebe lernen sich kennen, Ausbildungsberufe werden vorgestellt und erläutert. An der GSM werden derzeit einzelne Betriebe eingeladen, die sich und ihre Arbeit präsentieren.

• MINT - Mathemamatik, Informatik und Naturwissenschaften: MINT ist ein jahrgangs- und zweigübergreifendes Programm, bei dem Schüler und Lehrer Betriebe in der Region besichtigen und Kontakte herstellen.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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