Mobile Ausstellung über Judentum an Ursulinenschule zu Gast

Koschere Bärchen

Gefüllte Würfel: von links Paula Kueßner, Philip Weichert, Andre Böth und Bettina Meurer schauten sich eine von vier Vitrinen an.

Fritzlar. Am Anfang gibt es ein Kennenlernspiel: Die Schüler stehen im Kreis und warten auf Tanja Kinzels Frage: „Wer war schonmal in einer Synagoge?“, drei laufen in die Mitte und schnappen sich ein Gummibärchen.

Es sind koschere Gummibärchen, die ohne Gelatine verarbeitet wurden und damit nicht gegen die jüdischen Speisegesetze verstoßen. „Wir entscheiden spontan, was ein guter Zugang zu den Kindern ist, aber Gummibärchen kommen immer vor“, sagt Tanja Kinzel, Referentin des Jüdischen Museum Berlin, das diese Woche mit einer mobilen Ausstellung durch Hessen fährt. Gestern stoppte der Tourbus in der christlichen Ursulinenschule in Fritzlar. Die jüngeren Schüler der 5. und 6. Förderschulklassen sollen das Judentum spielerisch kennenlernen. Vier überdimensionale rote Würfel sind mit typischen Gegenständen gefüllt: Im Würfel „Jüdischer Alltag“ liegen koschere Gummibärchen und Topfreiniger, der Würfel „Chancen und Diskriminierung“ ist voller Niveacremes, die der Jude Oskar Troplowitz entwickelte hatte.

Für die älteren Realschüler wird ein Workshop zu jüdischer Kindheit und Jugend nach 1945 angeboten. „Da muss aber schon Vorwissen zum Nationalsozialismus und zur jüdischen Geschichte vorhanden sein“, so Kinzel.

Für die Dauerausstellung hat das Museum junge und alte, bekannte und weniger bekannte, gläubige und weniger gläubige Juden gefragt: „Wie war das damals eigentlich?“ Die Geschichten von David, Benjamin, Albina und Leon hören sich die Zehntklässler an und präsentieren sie dann mit Hilfe von Plakaten und anderen Gegenständen, die im Raum liegen, wie Torah, Tallit und Kipa.

„Die Kinder kennen den Begriff Jude, haben aber nie einen kennengelernt“, sagt Bettina Meurer. Die Lehrerin hatte sich im Namen der Schule beworben.

Das Museum habe ihre Begründung überzeugt: Auf der christlichen Schule gebe es keine Andersgläubigen, sie kennenzulernen helfe, Vorurteile abzubauen. Im Unterricht seien die Schüler darauf vorbereitet worden.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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