Verzierung mit altdeutscher Sütterlinschrift

Kreativität mit Augenmaß: Leimsfelderin malt Ostereier nach Art des Marburger Landes

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Anna Katharina Ochs aus Leimsfeld beim Verzieren eines rohen Eis, im Vordergrund das Töpfchen mit flüssigem Bienenwachs.

Leimsfeld. Von der schönen Eiermalerei des Marburger Landes hörte man vor etwa 40 Jahren verstärkt auch in der Schwalm. Um die reizvolle Gestaltung auch dort zu verbreiten, organisierte die Vorsitzende der Landfrauen für ihre Mitglieder in Leimsfeld ein Treffen.

Landfrauenvertreterinnen aller Ortsvereine des Bezirks waren eingeladen, und Auguste Mann aus Mardorf, die diese Kunstfertigkeit besonders gut beherrscht, stellte dort die Vorgehensweise vor.

Hohe Kunstfertigkeit

Aufgrund der diffizilen Gestaltung wurde die Technik aber nur von wenigen aufgegriffen und mal ausgeführt. Altbäuerin Anna Katharina Ochs war jedoch so von der Technik begeistert, dass sie sich diese nach und nach immer besser aneignete und schließlich auch mit hoher Kunstfertigkeit bis zur Gegenwart ausführt.

In Sütterlinschrift

Ostereier von Anna Katharina Ochs: Sie benutzt dazu den alten Füllfederhalter aus ihrer Schulzeit.

Mit ihrem alten Federhalter aus der Schulzeit trägt Anna Katharina Ochs auf die rohen Eier mit flüssigem Wachs (erhitztes Bienenwachs) Ornamente und Sprüche auf.

Hat sie die Eivorderseite mit Ornamenten verziert, beschriftet sie die Rückseite mit einem Spruch in altdeutscher Sütterlinschrift, die Rundungen der lateinischen Schrift ließen sich mit der Feder nur schwerlich schreiben.

Ins Batikfarbenbad

Nach dem Beschriften legt sie das Ei etwa fünf Minuten in ein warmes Batikfarbenbad. Dabei darf das Farbbad nicht zu warm sein, damit das Wachs nicht schmilzt. Nach dem Färben hält sie das Ei ein wenig über eine heiße Herdplatte, damit das Wachs weich wird und sich leicht abreiben lässt.

Jedes Ei ein Kunstwerk

Ist das Wachs abgerieben, erstrahlen die zuvor beschichteten Teile in heller Eischalenfarbe, während die anderen Teile die Farbe des Farbbades angenommen haben. Mit vielfältigen Motiven verziert, ist nun jedes Ei ein kleines Kunstwerk.

Keine Schwälmer Wurzeln

Anna Katharina Ochs möchte jedoch auf keinen Fall, dass diese Kunstfertigkeit als „Schwälmer Eiermalerei“ angesehen wird.

Nachdem sie in den zurückliegenden Jahren aufgrund von Sehschwäche die zuvor gerne ausgeübte Weißstickerei nicht mehr ausführen kann, betrachtet sie das Ostereiermalen in der Art des katholischen Marburger Landes als eine schöne Beschäftigung, die ihre Kräfte und Kreativität im hohen Alter noch fordert und fördert.

Nicht zuletzt kann sie anderen mit ihren Ostereiern auch eine Freude bereiten, und das ist für Anna Katharina wichtig.

Zur Person:

Anna Katharina Ochs (95) ist eine der wenigen authentischen Trachtenträgerinnen. Das Können der Leimsfelderin hat sich weit herumgesprochen und es fanden sich auch Liebhaber für die von ihr gestalteten Eier. So malt sie jährlich mit großer Stilsicherheit mehrere Dutzend Eier und hat die Technik auch schon an andere weitervermittelt und auf Ostermärkten vorgestellt.

Quelle: HNA

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