Kreissynode setzte sich mit Flüchtlingspolitik auseinander

Besondere Heiligenscheine: Die Teilnehmer der Kreissynode des Kirchenkreises Melsungen beschäftigten sich mit der Frage, was (Schein-)Heiligkeit bedeutet. Pfarrer Torsten Eisenträger aus Heinebach, Katja Witte aus Guxhagen und Uta Blackert aus Spangenberg (von links) trugen mit Luftballonen Heiligenscheine der ganz besonderen Art. Foto:  Wenderoth

Melsungen. Mehr als 100 Delegierte der Kirchengemeinden des Altkreises Melsungen setzten sich kürzlich in der Melsunger Stadthalle mit Fragen zu Gott und der Welt auseinander. In dieser Kreissynode ging es nicht etwa um Zahlen, Fakten und trockene Vorlagen, sondern um das pralle Leben.

Gleich drei Workshops boten die Gelegenheit, sich mit theologischen Hintergründen - beispielsweise zum Thema Glaubensbekenntnis - zu beschäftigen. Aber es ging auch und vor allem um aktuelle Fragen, die Christen heute beschäftigen, wie die Flüchtlingspolitik. Martin Gräfe von der katholischen Kirchengemeinde Melsungen und Bischof i.R. Dr. Roth (SELK) verwiesen in ihren Grußworte auf die enge Zusammenarbeit von Kirche und Politik, Dr. Roth forderte die Christen mit dem Bibelzitat auf, „gastfrei zu sein ohne Murren“.

Hilfe für Flüchtlinge 

Dekan Norbert Mecke betonte die Dringlichkeit des Themas. Die Landskirche von Kurhessen-Waldeck habe für die aktuelle Lage von Flüchtlingen im Irak 75 000 Euro als Soforthilfe bereit gestellt, die Kirchenkreise unterstützten diese Hilfe mit Kollekten, in Melsungen seien bislang 1200 Euro zusammengekommen. Das Thema bewege die Menschen, sagte Mecke. Für die einen werfe es die Frage auf, wie die Asylpolitik den eigenen Wohnort verändere, für die anderen, wie sie sich aktiv einbringen könnten - niemanden aber lasse es kalt. „Wir reden hier nicht über die Theorie, wir sind schon mittendrin in der Herausforderung“, sagte Mecke. Der Kirchenkreis habe deshalb die Flüchtlingsarbeit ganz oben auf die Agenda gesetzt. Das sieht auch Pfarrerin Dorothea Göbel aus Röhrenfurth so: „Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen: Es ist der ureigenste Auftrag der Christen, für Menschen in Not da zu sein“, sagt die Öffentlichkeitsbeauftragte des Melsunger Kirchenkreises.

Norbert Mecke würdigte die Tatkraft, die in vielen Kirchengemeinden herrsche: Die Menschen seien aktiv, leisteten eine gute Jugendarbeit, böten eine Fülle kirchlicher Arbeit.

„Das alles zu wertschätzen gehört zu den schönen Aufgaben eines Dekanberichtes“, sagte er unserer Zeitung.

„Es geht nicht ums Geld, das fehlt, es geht um die Menschen, die uns fehlen.“

Zu den weniger schönen Aufgabe gehörte die Bekanntgabe, dass der Kirchenkreis rund im vergangenen Jahr 400 Mitglieder verloren habe: Ein Drittel sei verstorben, ein Drittel weg gezogen, ein Drittel aus der Kirche ausgetreten. Die Austritte machten traurig: „Es geht nicht ums Geld, das fehlt, es geht um die Menschen, die uns in den Gemeinden fehlen.“ Insgesamt gehören dem Kirchenkreis Melsungen fast 31 000 Mitglieder an. Die Glaubensgemeinschaft der Christen sei nach wie vor stark und in der Fläche präsent: „Wir werden uns nicht in die Liste der Institutionen einreihen, die die Dörfer verlassen“, sagte der Dekan.

Die Kreissynode bezeichnete er als lebendige und inspirierende Veranstaltung: „Wir wollten den Kirchengemeinden neue Impulse geben.“ Die Impulsgabe geht weiter: Die nächste Synode ist für den 18. März 2015 im Melsunger Lutherhaus geplant.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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