Kreistag besiegelt Aus für die Geburtshilfe in Wolfhagen

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Der Kreistag hat entschieden: Die Geburtshilfe der Kreisklinik in Wolfhagen wird nicht wieder geöffnet.

Kreis Kassel. Die stationäre medizinische Versorgung im Landkreis Kassel wird ausgedünnt. Der Kreistag hat jetzt der endgültigen Schließung der Kreisklinik Helmarshausen zugestimmt. Und auch gegen das Aus der Geburtshilfestation in der Kreisklinik Wolfhagen legt der Landkreis kein Veto ein.

Der Beschluss, den alle Fraktionen in der Kreistagssitzung am Donnerstag in Vellmar-Frommershausen mittrugen, setzt den Schlusspunkt unter eine fast zwei Jahre andauernde Debatte. Sie habe in dieser Zeit die Kreispolitik beschäftigt, wie kein anderes Thema, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Williges.

Die Beschlussvorlage trug die Überschrift „Verlagerung der stationären Krankenhausversorgung von Bad-Karlshafen-Helmarshausen nach Hofgeismar“. Für Williges ist der Begriff „Verlagerung“ eine Verharmlosung. Tatsache sei, dass es sich um eine Schließung handele.

Die CDU trage diese Entscheidung zwar mit, müsse aber darauf hinweisen, dass die Gesundheitspolitik von Landrat Uwe Schmidt gescheitert sei. Vorausgegangen seien, so Williges, „taktisch unkluge Entscheidungen im Vorfeld“. Die Fehlentscheidungen von Landrat und SPD-Fraktion hätten die Geschäftsführung der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) dazu veranlasst, die Geburtshilfe in Wolfhagen und die Klinik Helmarshausen zu schließen. Doch nun müsse man die Realitäten anerkennen und dem Beschlussvorschlag von Landrat und Kreisausschuss zustimmen, sagte Williges.

Einfluss zu gering

Björn Sänger (FDP) und Steffi Weinert (Grüne) beklagten die fehlenden Einflussmöglichkeiten des Landkreises auf die Geschäftsführung der GNH. Aber der 7,5-Prozent-Gesellschaftsanteil lasse offenbar auch nicht mehr zu. Ein Grund dafür sei, „dass wir immer mehr Einfluss in privatrechtliche Konstrukte wie die GNH verpacken“, sagte Weinert. Darunter leide letztlich auch die Transparenz bei solchen Entscheidungen.

Für SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Gottschalck ist die Schließung der Geburtshilfe in Wolfhagen auch eine frauenpolitische Angelegenheit. Es sei ein Unding, dass die Geburtshilfe „so saumäßig bezahlt wird und eine Geburt gerade mal soviel kostet wie eine Blinddarm-OP“.

Auch Linke und Freie Wähler stimmten zu. „Doch so wie es in der Vergangenheit gelaufen ist, kann es nicht bleiben“, sagte Dr. Bärbel Mlasowsky (FW). Aufgabe sei es nun, das schrittweise Sterben von medizinische Einrichtungen zu verhindern. Nötig seien ganzheitlichen Nutzungskonzepte.

Für Dr. Christian Knoche (Linke) ist das Krankenhauswesen „gnadenlos ökonomischen Interessen untergeordnet worden“. Letzlich sei der Patient Opfer einer verfehlten Gesundheitspolitik.

Von Gerd Henke

Quelle: HNA

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