Projekt zweier Schulen

Schüler berichten: Als der Krieg endlich zu Ende war

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Das Schicksal einer Mutter: An verschiedenen Stationen - hier Kevin Krimmel - erzählten die Schüler, was in Homberg und Umgebung vor 70 Jahren geschehen war.

Homberg. Der Blick schweift über das malerisch in warmer Maisonne liegende Homberg. Benedikt Kusan und Tom Kroll schildern, was sich dort in den Gassen vor siebzig Jahren abspielte.

Der Volkssturm sammelte sich damals zum sinnlosen Aufgebot. Die beiden Schüler gehören zu einer großen Gruppe, die sich seit Februar zu einem gemeinsamen Projekt der Theodor-Heuss- und der Erich-Kästner-Schule zusammengefunden haben. Aufgabe war es, sich mit Ereignissen zum Kriegsende in der Region auseinanderzusetzen.

Da ging es um das oft Furchtbare der letzten Stunden bis zum Beginn der neuen Zeit mit gewinnbringendem Tausch gegen amerikanische Zigaretten. Anläßlich des 8. Mai wurde nun an siebzehn Stationen auf dem Freigelände der Erich-Kästner-Schule berichtet.

Nora von der Lühe erzählte von der Villa in Lembach, in der Häftlinge gepflegt wurden. Theresa Heil las aus Heinrich Ruppels Tagebuch: Ein schwarzer Mann kam auf mich zu… Selina Kaletsch und Tim Schweitzer bewiesen einem lauschenden Zeitzeugen ihr Wissen über den Tauschhandel nach Kriegsende: Künstlerstrickkleid gegen Herrenschuhe. Die Menora, der siebenarmige jüdische Leuchter, stand vor Luis Krimmel und für Dr. Ludwig Goldschmidt, einst ein beliebter Arzt, dem die Flucht nach Mexiko gelang. Auf dem ersten Sherman-Panzer, der Homberg erreichte, saß sein Sohn als GI. Kevin Krimmel berichtete über das Schicksal von Margarethe Manz. Die siebenfache Mutter wurde von der SS erschossen. Ihr Name steht auf dem Ehrenmal in Oberhülsa. Der Schüler trug das Geschehen vor, als wäre er dabeigewesen. Eine dicke Kerze ist für die Mutter, sieben kleinere für die Kinder aufgestellt. Dazu rote Rosen für Mutterliebe, Vergißmeinnicht und Margeriten. Verstohlen wurde im Publikum manche Träne weggewischt.

Begeisterter Beifall an allen siebzehn Tischstationen würdigte die Leistung dieser jungen Generation. Ulf-Dieter Fink, stellvertretender Schulleiter, hatte Richard von Weizsäcker zitiert: Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird. Die Homberger Jugendlichen zeigten sich in höchstem Maß dieser Verantwortung bewusst.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

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