Bergbaumuseum: Ausstellung Krieg und Kohle im Borkener Themenpark

Kriegsgefangene unter Tage

Panzer-Kettenglied und Kohlenquartett: Ingo Sielaff, Leiter des Bergbaumuseums, schaut durch das Kettenglied eines Königstigers, der für den Zweiten Weltkrieg in der Kasseler Firma Henschel gebaut wurde, vorn das Kohlenquartett aus der Nazizeit. Foto: Thiery

Borken. Kohle war im Zweiten Weltkrieg begehrtes Gut, denn sie diente zur Erzeugung von Strom, der auch für die für die Rüstungsindustrie wichtig war. Der Bergbau und Preussen Elektra in Borken waren daher von den Auswirkungen der Naziherrschaft stark betroffen. Der Leiter des Bergbaumuseums, Ingo Sielaff, hat sich in den vergangenen zwei Jahre auf Spurensuche gemacht, um mehr darüber zu erfahren. Dabei sammelte er viele Exponate, die er nun in der Ausstellung „Kohle und Krieg“ zusammengestellt hat, die im Themenpark des Bergbaumuseums zu sehen sind.

„Preussen Elektra war für die Nazis wichtig. Die Nazis gründeten eigens eine Rüstungsbehörde, worin sich Bergbau und Energie vereinten“, erzählt Sielaff. Der Blick in eine der Ausstellungs-Vitrinen zeigt die Betriebs-Zeitung, die sich in den ersten Jahren der Naziherrschaft stark veränderte. Hakenkreuze zieren das Blatt, Nazipropaganda den Inhalt.

Die Bergmannsfeste dieser Zeit waren Nazi-Aufmärsche, Bilder voller nationalsozialistischer Elemente bestimmen die Bilder in den Vitrinen. Dokumente gibt es auch von Borkenern, die in ihren Kellern und Dachböden nach dem historischen Material gesucht haben.

Das Logo des Energiekonzerns wechselte in der Zeit sein Erscheinungsbild, entwickelte sich zu einer Art NS-Adler, zeigt Sielaff.

Im Bergbau arbeiteten hunderte Zwangsarbeiter, meist Kriegsgefangene aus den jeweiligen Feldzügen. Belgier, Niederländer, Polen, Russen und Ukrainer, zählt der Museumsleiter auf. Er schätzt, dass etwa 4000 Menschen in der Borkener Gegend arbeiteten, ein Teil davon auch bei Bauern. Im Bergbau wurden sie meist zum Abbau der Kohle und für Gleisarbeiten eingesetzt. Untergebracht waren sie in Baracken bei Arnsbach. Die Ausstellung zeigt ein Foto des Gebäudes, das so nicht mehr existiert.

Wenn sie nicht spurten, wurden sie im Lager in Breitenau gezüchtigt.

Sielaff hat viele Zeitzeugen gefunden, die demonstrieren, wie stark der Nationalsozialismus in Borken und der Region mit dem Bergbau und dem Kraftwerk verbunden waren. Der Borkener Jost Egert hat eine ganze Armada von Kriegsspielzeug aus der Zeit für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Es gibt auch das Fotoalbum eines Borkeners, der verbotenerweise beim Herbstmanöver 1936 in Großenenglis Bilder gemacht hatte. Zu dem Aufmarsch, bei dem auch Adolf Hitler dabei war, kamen laut Sielaff 80 000 Menschen. Sielaff hat auch eine Postkarte von diesem Auftritt im Internet ergattert, die Hitler auf der Feldparade zeigt. (Foto unten) Die Sonderausstellung ist auch eine Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte in Trutzhain, dem ehemaligen Kriegsgefangenlager, der Gedenkstätte Breitenau, wo es das Arbeitserziehungslager gab und dem Dokumentationszentrum der Stadt Allendorf, wo während des Krieges Sprengstoff und Munition hergestellt wurde. Dort arbeiteten ebenso viele Kriegsgefangene.

• Die Ausstellung im Themenpark ist dienstags bis sonntags zwischen 14 und 17 Uhr zu sehen. Klassen und Gruppen können sich unter Tel. 05682/808271 anmelden. Infos: bergbaumuseum@borken-hessen.de.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare