Einblicke in den krimnaltechnischen Erkennungsdienst

Kripo Schwalm-Eder: Die schwierige Suche nach Blut und DNA

Polizei Schwalm-Eder: Zum Aufgabengebiet von Kriminalhauptkommissar Norbert Berge gehört auch der Erkennungsdienst. Wurden früher Fingerabdrücke per schwarzem Stempelkissen genommen, gibt es heute die digitale Variante. Rechts im Bild der Lampenkoffer für die Tatorte. Feser

Schwalm-Eder. Kriminalhauptkommissar Norbert Berge leitet den Erkennungsdienst im K30. Dabei hilft ihm die Technik und gutes Gespür, um den Tätern auf die Spur zu kommen.

Nicht jeder ist für die Krümelsucherei geschaffen – Norbert Berge schon. Der Kriminalhauptkommissar ist Teamleiter des Erkennungsdienstes im K 30 der Polizeidirektion Schwalm-Eder und liebt es, an einem Tatort Spuren zu suchen. „Es ist wie ein Puzzle“, sagt der 53-Jährige, „je mehr Teile man findet, desto besser ist das Bild, das zum Täter führen kann.“

Es gibt viele Spuren

In weißer, spurensicherer Schutzkleidung macht er sich am Tatort auf Spurensuche. Er sichert Beweise: Blutstropfen, Finger- und Schuhabdrücke, Haare im besten Fall mit Haarwurzel, Gewebe- und DNA-Spuren. Dabei helfen ihm Geräte, die filtern, was für ein normales Auge nicht sichtbar ist. Zum Beispiel eine starke Taschenlampe mit Weißlicht oder eine forensische Tatortleuchte, um Spuren in verschiedenen Wellenbereichen sicherzustellen. Durch Filterbrillen kann er feinste Flusen auf dem Boden erkennen.

Er muss fingierte Spuren erkennen, die gezielt gelegt werden, um die Polizei auf eine falsche Fährte zu führen. Beispiel Guxhagen: Dort wurde vor Jahren ein älterer Mann getötet und anschließend Feuer gelegt. Da dieses sich aber nur zu einem Schwelbrand entwickelte, wurden die Spuren der Tötungstat nicht zerstört, sondern konnten gesichert werden.

Tatort Melsungen

Tatortarbeit ist Knochenarbeit. Beispiel: Tötung in einem Mehrfamilienhaus in Melsungen vor einigen Jahren. Der Täter hatte die Tote in eine mit Chemikalien gefüllte Badewanne gelegt. Norbert Berge und seine Kollegen mussten stundenlang in dem Raum ermitteln. „Nach einer halben Stunde in Vollmontur mit Handschuhen und Mundschutz sind Sie fix und fertig.“

Tipp nach einem Einbruch

Deshalb rät der Spurensicherer zum Beispiel Einbruchsgeschädigten, den Tatort so zu belassen wie der Täter ihn verlassen hat. Also nicht im Raum herumlaufen oder gar etwas anfassen. „Denn jeder Kontakt hinterlässt Spuren.“ Und nur so können die Kollegen von der Spurensicherung gerichtsrelevante Beweise sichern, die helfen, den Tathergang herauszufinden. „Damit können wir den Richter überzeugen, dass etwas so passiert ist.“

Die Spuren werden anschließend mit Infos aus Datenbanken verglichen. Je mehr Daten dort hinterlegt sind, desto leichter ist die Täterfindung. Deshalb wäre es für den Erkennungsdienst am besten, wenn zum Beispiel von jedem Kind bei der Einschulung eine Speichelprobe genommen würde, um Vergleichsdaten haben. Im Laufe der Jahre gäbe es eine umfangreiche Datenbank im Land. „Aber das geht zu weit“, betont Kriminalhauptkommissar Berge, „wir leben ja in einem Rechtsstaat.“

„Tatort“ ist unrealistisch

Die Krimiserie Tatort kann sich Norbert Berge übrigens gar nicht mehr ansehen. „Das ist Unterhaltung, mehr nicht“, sagte der Spurenermittler. Denn die Spurensicherung im Fernsehen läuft in weißen Schutzanzügen rum und die Kommissare laufen mitten im Tatort herum. „Das ist unrealistisch.“

Quelle: HNA

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