Frühstückstreffen: 150 Frauen lauschten Referentin Karin Vorländer in der Kulturhalle

Kritik nicht in Kübeln

Lehrerin, Journalistin und Mutter von vier Söhnen: Die 58-jährige Karin Vorländer hielt am Samstag in Ziegenhain einen Vortrag über den richtigen Umgang mit Kritik. Foto: Rose

Ziegenhain. Die Kunst, aus Zitronen Limonade zu machen – vom konstruktiven Umgang mit Kritik: Das war am Samstag das Thema beim Frühstückstreffen für Frauen in der Ziegenhainer Kulturhalle. 150 Frauen waren in die Schwalm gekommen, um Referentin Karin Vorländer zuzuhören, sich auszutauschen und in großer Runde zu frühstücken. Organisiert wurde das Ganze wie immer von einem ehrenamtlichen Team mit 20 Mitarbeiterinnen.

Warum fällt es uns eigentlich so schwer, mit Kritik umzugehen? Dieser und weiterer Fragen spürte Vorländer in ihrem lebhaften Vortrag nach. „Kritik kann ätzend sein – und dann macht sie uns sauer“, verdeutlichte die Lehrerin, Journalistin und Mutter von vier Söhnen. Dabei könne ein Spritzer sogar sehr belebend wirken. Aber Vorländer stellte auch klar: „Kritik gehört zum Leben, weil nicht jeder die selben Maßstäbe hat.“ Besonders Frauen neigten dazu, sich kritische Bemerkungen des lieben Friedens willen zu verkneifen. „Wir sind einfach auf Harmonie geeicht“, erklärte die Referentin.

• Wann reagieren wir sauer? „Immer dann, wenn Kritik uns persönlich trifft“, sagte Vorländer. Bei der Schilderung eines unakzeptablen Sachverhaltes sei es wichtig, darauf zu achten, niemanden bloß zu stellen oder gar zu demütigen. • Wie wird aus Kritik eine Generaldebatte? Wer Kritik zum falschen Zeitpunkt anbringe, riskiere ein Ping-Pong-Spiel aus Schuldzuweisungen, Erklärungen, Verteidigung und schließlich einem Gegenangriff. „Hüten Sie sich vor Verallgemeinerungen und bleiben Sie sachlich“, riet Vorländer. • Wann ist der richtige Zeitpunkt für Kritik? „Sprechen Sie heikle Themen nie an, wenn Sie wütend oder gestresst sind“, empfahl die Referentin. „Schaffen Sie stattdessen Abstand zur Situation und nennen Sie nur einen Kritikpunkt – keiner verträgt kübelweise Kritik.“ • Wie formuliere ich Kritik? Es helfe, Ich-Sätze zu bilden, in denen das eigene Gefühl und konkrete Vorschläge formuliert werden könnten. Enorm wichtig sei, dass Kritik eine Information enthält. „Hinter jeder Kritik steckt ein Anliegen, ein Wunsch oder ein Bedürfnis“, erklärte Vorländer. „Sprechen Sie Kleinigkeiten, die sie ärgern, direkt an oder geben Sie entsprechend positive Rückmeldungen – Sie glauben gar nicht, wie viel Lob ein Mensch verträgt.“ • Wie reagiere ich auf Kritik? „Jede Kritik ist eine Rückmeldung.“ Hilfreich sei, Bedenkzeit zu erbitten. „Das nimmt die Energie aus der Situation.“ • Wo hat Kritik Grenzen? Eine Grenze der Einmischung stelle der höchst private Lebensbereich dar, erläuterte Vorländer. „Außerdem müssen wir uns darüber klar werden, dass es dem Mensch aus seiner Biografie oder den Lebensumständen heraus nicht möglich ist, bestimmte Dinge zu ändern – wir sollten uns häufiger in die Rolle unseres Gegenübers versetzen.“

Der Umgang mit Kritik hänge wesentlich mit dem eigenen Selbstwertgefühl und dem Glaube an sich selbst zusammen. „Machen Sie sich klar, Sie sind kein Mängelexemplar, sondern gut, so wie Sie sind.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare