Kritik aus Stein: Peter Naumann aus Hilgershausen gestaltet Kunst aus Mineralien

Die Patrone und der Edelstein: Seit mehr als 6000 Jahren tobt in Afghanistan der Krieg um den blauen Lapislazuli. Peter Naumann hat zu diesem Thema ein Kunstwerk gestaltet. Foto:  M. Berger

Hilgershausen. Geschichtsforschung, Gesellschaftskritik, Geologie und glitzernde Kunst. Diese Themen hat sich Peter Naumann aus Hilgershausen auf die Fahnen geschrieben.

Der 67-jährige Ruheständler ist passionierter Mineralien- und Fossiliensammler, „und das bereits seit der Schulzeit“, wie er verriet.

Aus besonders aussagekräftigen Funden und schönen Stücken seiner Sammlung gestaltet der ehemalige Maschinenschlosser und Seemann Kunstwerke. Und zwar solche, die sich mit den Missständen unserer Welt auseinander setzen.

„So habe ich ein Werk zum Krieg in Afghanistan gearbeitet und solche, die sich unter anderem mit den Konflikten zwischen Tibet und China oder mit den menschenverachtenden Zuständen in Birma befassen“, sagte Naumann. Dabei bestehen die Kunstobjekte des Hilgershäusers immer nur aus mineralischen Versatzstücken – auch, wenn das auf den ersten Blick nicht immer gleich ersichtlich ist.

„Wenn ich in meiner Kunst Patronenhülsen und Handys verarbeite, dann deshalb, weil die auch aus mineralogischem Material hergestellt werden.“

„Wenn ich in meiner Kunst Patronenhülsen und Handys verarbeite, dann deshalb, weil die auch aus mineralogischem Material hergestellt werden“, erklärt er. So sei beispielsweise in jedem Mobiltelefon und jedem Computer das Mineral Coltan enthalten. „Das ist eine Erzform, die für die Herstellung von Mikrochips verwendet wird“, sagt der Hobbykünstler.

Krieg um Lapislazuli

Nehmen wir Peter Naumanns Afghanistanbild: „Auf dem habe ich viel Lapislazuli verarbeitet, ein Mineral, um das in Afghanistan seit mehr als 6000 Jahren Kriege geführt werden.“ Das Bild von der Größe eine Postkarte bildet eine Patrone aus Messing und Eisen ab, deren Blutspur mit Lapislazulibrocken verschiedener Größe korreliert. „Damit übe ich Kritik am Krieg in Afghanistan“, sagte Peter Naumann. „Allerdings nicht, um damit eine größere Öffentlichkeit zu erreichen.“ Vielmehr schafft der 67-Jährige seine Kunstwerke für sich und sein privates Umfeld, aber auch zur Documenta hat Naumann es bereits geschafft. „Das war 2002 und hatte allerdings nichts mit meinen Werken zu tun“, klärt Peter Naumann schnell auf. „Damals gab es ein Wassertaxi zur Documenta, und da bin ich als Matrose mitgefahren.“

Seit 1993 ist Peter Naumann künstlerisch ambitioniert. Und obwohl der Ex-Seebär mit seinen Werken nicht berühmt werden will, so ist er doch daran interessiert, seine Arbeit zumindest in der Region zu präsentieren. Zum Beispiel über unsere Zeitung. Weil die katastrophalen Zustände, die in manchen Ländern herrschen, alle angehen, findet Naumann. „Und weil die Mineralogie so interessant ist, sagt der Hilgershäuser Sammler.

Quelle: HNA

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