Künstler Edwin Moes plant für Freitagabend eine Aktion in der Melsunger Innenstadt

Künstler Edwin Moes plant für Freitag eine Aktion in der Melsunger Innenstadt

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Edwin Moes watet wie ein Storch durch das Fuldawasser: Mancher Zuschauer nennt das irrsinnig, der Darsteller nennt es Kunst.

Melsungen. „Der da unten ist verrückt“, sagt der Mann auf der Bartenwetzerbrücke. Und der langhaarige Feinrippträger, der dort unten wie ein Storch durch das Fuldawasser watet, feiert seine Rückkehr als selten verstandener Künstler.

Edwin Moes will wieder das tun, wofür er in Melsungen bekannt ist: provozieren. Feierlich breitet er die gesammelten Artikeln aus, die Zeitungen über ihn veröffentlicht haben. „Schocktherapie auf dem Marktplatz“, „Ein anarchisches Finale“ oder „Nackter Mann im Käfig“ lauten die Überschriften. Die meisten davon entstanden vor zwei Jahren. Dann wurde es ruhig um den 40-Jährigen, der sich selbst Erzengel Gabriel nennt.

„Ich will mit den Melsungern nicht mehr übers Wetter reden. Ich will, dass die Melsunger über mich reden.“

„Ich will mit den Melsungern nicht mehr übers Wetter reden“, sagt Moes. Die Melsunger sollten über ihn reden. Und Moes liefert ihnen den Stoff: Am Freitagabend um 20 Uhr beginnt die sommerliche Aktionsreihe des Künstlers, die Leid zum Thema hat: „Ich werde eimerweise Brunnenwasser zur Bartenwetzerbrücke schleppen“, kündigt er an, „in Stöckelschuhen.“ Alle, die es ihm mit Eimern, Schüsseln und Bottichen gleichtun möchten, lädt der Künstler zum Mitmachen ein.

Die anderen Zuschauer können beobachten, wie Moes sich auf wackligen Schuhen und mit schweren Eimern auf den Schultern durch die Altstadt quält. „Ich will leiden“, sagt Moes, „und alle sollen dabei zusehen.“

Wer zusieht, sieht den Sinn hinter den Aktionen nicht auf den ersten Blick. Fremd, manchmal irrsinnig mutet die Kunst von Moes an. Doch der kann sie erklären: „In Holland gibt es ein Sprichtwort: Du trägst Wasser zum Meer“, sagt der Mann, der aus Holland stammt. Moes nimmt den Satz beim Wort. Auch er schleppt eimerweise Wasser zu einem Fluss, der schließlich ins Meer fließt. „Ich quäle mich ab“, sagt er, „doch eigentlich bewirke ich als Einzelner nichts.“

Moes sagt, seine Aktionen seien auf Melsungen zugeschnitten. Wer weiß, wie der Mikrokosmos Melsungen tickt, wisse, wie die Welt tickt. „Was es hier nicht gibt, gibt es auch nicht woanders“, sagt er. Moes, die wandelnde Leinwand, will diese Welt erklären.

Termin: Am Freitag, 13. Mai, verwandelt sich Moes ab 19 Uhr vor seinem Haus am Vorderen Eisfeld 22 in den Erzengel Gabriel. „In diese Stunde ist das Haus offen zur Besichtigung“, sagt er. Ab 20 Uhr stöckelt er durch die Melsunger Innenstadt – zwischen den drei Brunnen am Marktplatz, am Finanzamt, an der Stadtkirche und der Bartenwetzerbrücke.

Quelle: HNA

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