Alte Flurnamen

Künstlerin aus Gilserberg stellt Erdenmalerei aus

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Gerlinde Vestweber erklärt ihre Arbeitstechnik: In der Kirche in Mengsberg sind ihre Erdfarbpaletten aus der Gemarkung und ihre Malereien in einer umfänglichen Ausstellung zu sehen.

Mengsberg. Gerlinde Vestweber liebt Farben und Materialien aller Art, doch beim Rundgang durch ihre Ausstellung in der Kirche Mengsberg wirkt es, als ob sie von Erden am wenigsten lassen könnte.

Auf Bitten vieler hat die Winterscheider Grafikerin und Malerin die Gemarkung erkundet und die gleichermaßen akribische wie schmuckvolle Palette der Mengsberger Erden erstellt, jede mit ihrem Schürfort bezeichnet, selbstredend in den überlieferten Namen in Schwälmer Platt.

Die Lejrewesse geht ins Umbra, die Rure Bette ins Bordeaux, der Stiebroch zeigt ein sattes Ocker. Die Palette (Foto) mit den doppelten, satten Pinselstrichen dokumentiert sogar die Textur der Erden.

Bei der Erkundung lässt sich Gerlinde Vestweber von Einheimischen führen, die sich hervorragend auskennen. Gewonnen werden die Pigmenten nicht etwa an der Oberfläche, sondern oft mehrere Dezimeter tief im Untergrund. Die genommenen Proben sind nummeriert und archiviert, ein Heimatschatz. Um Mengsberg herum hatte sich die studierte Künstlerin und vhs-Dozentin von Manfred Stern führen lassen, hinzu kam die Rücksprache mit vielen kundigen Älteren.

Die fein abgestufte erdige Farbigkeit, die sich auf kräftigem Baumwolltuch besonders gut ausnimmt, hat es der 53-Jährigen angetan, der Erhalt der oft uralten Flurnamen nicht minder. Der Begriff Experimentierfeld erhält mithin eine ganz eigene Bedeutung.

Die Sammlung ist kein Selbstzweck, die Kür ist die Verarbeitung der angerührten Pigmente in der Malerei. In ihren seriellen, zurückgenommenen Landschaftsbildern verarbeitet Gerlinde Vestweber ihre Sicht der Landschaft, bildet sie ab in ihren ureigenen Tönen, das hat viel Ursprüngliches, Vorzeitiges. Das Konzept, das die Künstlerin schon für andere Dörfer wie Holzburg und Frielendorf umgesetzt hat, ist so schlicht und stimmig wie schlüssig. Erdkunde im Wortsinn.

Darauf gekommen ist Gerlinde Vestweber fast unweigerlich, seit sie 2009 zusammen mit dem Homberger Hans-Joachim Bauer bei einem Künstlersymposium in Polen erstmals Erden sammelte.

Die Kirche erweist sich als guter Ort für die Schau, der wechselnden Lichtverhältnisse zum Trotz oder gerade deshalb. Gerlinde Vestweber schätzt es so und hat seit Eröffnung der Ausstellung viel positives Feedback bekommen, „die Arbeit kommt zur Geltung“. Das finden die Auswärtigen, viele aus dem Raum Marburg, nicht anders als die Mengsberger.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 11. Februar, Öffnung nach Vereinbarung unter Tel. 06692/5243 oder Tel. 06692/4455.

Quelle: HNA

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