Küsschen für den Erfinder

Helene Ziegler aus Felsberg feiert heute ihren 100. Geburtstag

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Der Rollator hilft ihr beim Laufen: Helene Ziegler feiert heute ihren 100. Geburtstag.

Felsberg. Den Tod eines geliebten Partners zu verkraften ist schwer. Helene Ziegler hat miterlebt, wie drei Partner von ihr gegangen sind und immer wieder neuen Mut gefasst. Heute feiert die gebürtige Thüringerin ihren 100. Geburtstag.

„Mir war immer wichtig, nicht allein durchs Leben zu gehen“, sagt die alte Dame, die bereits seit sieben Jahren im Seniorenheim Haus St. Valentin in Felsberg wohnt. Geboren in Kahla (Thüringen) hat sie mit 20 Jahren ihren ersten Mann kennengelernt, den sie 1935 heiratete. Tochter Sigrid und Sohn Roland kamen noch vor dem Zweiten Weltkrieg zur Welt. Sohn Gert folgte später. Der Krieg trennte Helene Ziegler von ihrem ersten Mann, der aus Stalingrad nicht mehr heimkehrte.

„In den Kriegsjahren haben wir im Keller immer Lebensmittel gelagert“, erzählt der mittlerweile 75-jährige Sohn Roland Knorr. „Plötzlich war alles leer“, wirft seine Mutter lachend ein, die sich auch an die lustigen Momente einer eigentlich schweren Zeit erinnert. „Die Kinder haben immer alles gefunden.“

Ihr Mann galt nach dem Krieg als vermisst, erst in den 50er-Jahren konnte er für tot erklärt werden. Neue Kraft fand Helene Ziegler in ihrem neuen Partner Hans Ziegler. Er hatte seine Frau während des Krieges an einen anderen Mann verloren, da er selbst als Soldat an der Front war.

Die Nachkriegsjahre arbeitete das Paar in einer Porzellanfabrik, Helene Ziegler war dort als Malerin angestellt. „Wir haben gemeinsam nachgeholt, was wir vorher versäumt haben“, sagt die 100-Jährige und meint damit viele Reisen, die sie gemeinsam mit ihrem Mann gemacht hat.

Fünf Enkel und fünf Urenkel 

Ostern 1960 gelang die Flucht aus der DDR nach Westdeutschland, die in Bad Hersfeld endete. Sohn Roland, der zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt war, blieb zunächst zurück, um Wohnung und Hausstand abzusichern. Erst Weihnachten 1960 war die Familie endlich wieder vereint.

Nachdem ihr Mann Rentner wurde, sind sie gemeinsam nach Felsberg gezogen, wo sich Sohn Roland niedergelassen hatte. 1983 starb ihr Mann. Mit 70 Jahren lernte Helene Ziegler ihren letzten Lebenspartner kennen. „Das war ein guter Fang“, sagt Helene Fischer schmunzelnd. „Und gefallen hat er mir auch noch.“

Heute hat die rüstige Frau, die mithilfe eines Rollators noch selbst laufen kann, neben den drei Kindern, fünf Enkel und fünf Urenkel. Am meisten an der heutigen Zeit schätzt sie die Waschmaschine: „Dem Erfinder der Waschmaschine gehören Hände und Füße geküsst“, erzählt Helene Ziegler, die es gewohnt war, die Wäsche in einem großen Kessel zu kochen.

Dass sie mit 100 Jahren kaum Falten im Gesicht habe, verdanke sie den guten Genen. „Ich bin froh, dass ich noch so klar im Kopf bin“, sagt die Jubilarin. „Und ich freue mich über den Geburtstag, weil man eine runde Zahl zum Feiern hat.“ (mli)

Quelle: HNA

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