Wasserfestung

Kulturdenkmal in Ziegenhain in Gefahr: Aktionsbündnis sieht Land in der Pflicht

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Am Rande der Pressekonferenz: Carsten Peppler, Jörg Haafke, Bernd Völker, Werner Meyreiß, Karl-Heinz Montanus, Markus Stübing und Bürgermeister Pinhard (von links). 

Schwalmstadt. „Dieses elende Bild des historisch bedeutsamen Wallgrabens ist untragbar“, so die Bündnispartner Wallgraben in einer Pressekonferenz am Montagnachmittag.

Das Aktionsbündnis besteht aus Arbeitskreis  Festung, Fischereiclub Neptun, Förderverein Kulturlandschaft Schwalm sowie Ortsbeirat Ziegenhain und macht sich um den Erhalt des bedeutenden Kulturdenkmals große Sorgen. 

Der Arbeitskreis Festung Ziegenhain betonte, dass die Wasserfestung bundesweit einzigartig sei. Hier ist eine komplette Stadt von einem „intakten“ wassergefüllten Festungsgraben umfasst. 

Jörg  Haafke (Förderverein Kulturlandschaft Schwalm) sagte, dass der Wallgraben in den zurückliegenden bald zehn Jahren massivst gelitten habe: "Im Zuständigkeitsgewirr zwischen verschiedensten Stellen des Landes und der Stadt droht der Wallgrabenanlage die Verwahrlosung.“ 

In den Augen der Bündnispartner drohe gar die komplette Versandung des Grabens, und dies könnte für viele historische Gebäude Ziegenhains schwerste Schäden nach sich ziehen. „Ohne die Wasserführung drohen Pfahlfundamente zu faulen“, mahnte Bernd Völker vom Arbeitskreis Festung. Das Land Hessen habe die Pflicht, den Wallgraben in seiner einzigartigen Bedeutung für die Nachwelt zu sichern. Schließlich stufe der Landesdenkmalschutz die Festung selbst als wichtigstes Kulturdenkmal des Schwalm-Eder-Kreises ein.

Eine zunehmende Verschlammung und Verbuschung der Uferränder widerspreche eklatant der ursprünglichen militärischen Funktion. „Waldähnliche Gehölzbestände haben in einer Renaissancefestung nichts zu suchen“, sagt Völker. Wenn Touristen heute schon fragten: „Wo ist denn nun die Festung?“, obwohl sie schon unmittelbar davor stünden, bestehe Handlungsbedarf, um die historische Dimension des Bauwerkes wieder erkennbar werden zu lassen, „ein nachhaltiger Pflegeplan muss her“.

Hinter den Forderungen steht auch der Fischereiclub Neptun, der 80 Jahre lang Uferbereich und Wasserfläche pflegte, gemeinsam mit Anliegern, der Stadt und Gefangenen. Seit der Entmunitionierung ist der Pachtvertrag ausgesetzt, sodass auch die Pflegemaßnahmen weggefallen sind. Das Bewässerungssystem sei inzwischen durch Schlammmassen verstopft, die damit einhergehende Verminderung der Sauerstoffzufuhr beschleunige den Verlandungsprozess. Der Fischereiclub fordert den Erhalt des Bewässerungssystems, die Entnahme der Wurzelstöcke im Uferbereich und Voraussetzungen für eine praktikable Pflege der Anlage.

Dem Förderverein Kulturlandschaft Schwalm ist es wichtig, dass im Zuge der Baumaßnahmen wichtige Synergien in städtebaulicher Dimension genutzt werden. So könnten Baustraßen beispielsweise als Fundament künftiger Uferwege dienen. Auch der Förderverein ruft nach einem Pflegekonzept. Der Ortsbeirat spricht sich für ein Konzept aus zur Wiederherstellung der charakteristischen Merkmale.

Bürgermeister Stefan Pinhard fordert ein Gesamtkonzept vom Land, er werde erneut mit der Justizministerin Kontakt aufnehmen. Bauamtsleiter Alexander Inden sieht in der Baumaßnahmensituation wenig Raum für die Berücksichtigung weiterer Interessen und setzt auf ein „Wallgrabenkonzept 2030“.

Den Bündnispartnern wurde im Gespräch mit der Stadt erneut die verfahrene Situation mit den verschiedenen Ebenen des Landes deutlich. „Wir müssen mehr Druck machen“, lautet ihre Devise. Das Bündnis will möglichst direkt in Wiesbaden vorsprechen und versuchen, verschiedenste Beteiligte an einen Tisch zu holen.

Quelle: HNA

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