Elisa Walker aus Oxford war acht Monate Lehrassistentin an den Beruflichen Schulen

Kulturschock inklusive

Aus Oxford in die Schwalm: Noch bis Ende Mai wird Elisa Walker (21) zwölf Wochenstunden an den Beruflichen Schulen halten. Foto: Rose

Ziegenhain. Als sich Elisa Walker bei ihrer Ankunft vor acht Monaten in Ziegenhain und Treysa umschaute, konnte die 21-Jährige aus Oxford kaum glauben, dass beides Städte sind. „In England wären das Dörfer“, sagt sie.

Mittlerweile hat sich Elisa daran gewöhnt, dass Busse selten und Bahnen unpünktlich fahren. Und dass die Deutschen die einzigen sind, die es nicht unhöflich finden, andere anzustarren. Aber es gibt auch die Netten. Die, die nicht starren, sondern mit Elisa Walker sprechen. Und sogar mit ihr unterrichten. Zu denen gehören Werner Stuhldreher und seine Kollegen an den Beruflichen Schulen in Ziegenhain. Bis Ende Mai ist die junge Frau dort Lehrassistentin mit zwölf Wochenstunden.

Die 21-jährige Schottin wurde in Italien geboren,zog dann mit den Eltern zurück nach Schottland und schließlich nach Südengland. Sie studiert Germanstik und Italienisch, spricht neben ihrer Muttersprache französisch, deutsch und italienisch. „Sie ist die erste Lehrassistentin, die gar nicht weiß, ob sie Lehrerin werden will“, erzählt Stuhldreher, der Englisch und Politik unterichtet. Fünf Fremdsprachenassistenten haben an den Beruflichen Schulen bislang hospitiert: „Einer ist in Deutschland geblieben und arbeitet als Weinhändler am Rhein“, sagt Stuhldreher.

Während die Wahl eher per Zufall auf Ziegenhain fiel, so war die Entscheidung, allein an eine Schule zu gehen und dort zu arbeiten, doch eine bewusste: „Ich wollte sehen, ob ich die Aufgaben eines Lehrers für mich interessant finde“, erzählt Walker. Heute weiß Elisa: „Ich würde lieber in der Erwachsenenbildung arbeiten.“ Viel lieber als in dem schuleigenen Appartement hätte die Schottin in den Unistädten Marburg oder Kassel gewohnt: „Aber dort sind die Zimmer teuer und selten möbliert“, erzählt sie.

Ohne Auto in Ziegenhain – das war für die junge Frau oft ein großes Problem. „In den ersten vier Monaten hatte ich häufig Heimweh und konnte mich schwer integrieren.“ Stuhldreher bringt es auf den Punkt: „Das war für eine so junge Frau ein echter Kulturschock.“

Neu war für Walker unter anderem das Siezen unter Kollegen: „In England spricht man sich mit dem Vornamen an. Ich duze sogar meine Dozenten an der Uni“, sagt die 21-Jährige. Dennoch hat ihr und den deutschen Kollegen die Zeit viel gebracht: „Wir haben von ihr als erster Instanz für Englisch sehr profitiert“, sagt Stuhldreher. Und Elisa bilanziert: „Ich bin viel selbstständiger geworden.“ Außerdem hat sie viel gesehen: An den Wochenenden hat sie Ziegenhain kurzerhand gegen deutsche Großstädte wie Frankfurt oder Berlin getauscht. Kontakt zu Gleichaltrigen in der Schwalm gab es selten: „Eher zu älteren Kollegen.“ Deshalb freut sie sich umso mehr auf ihre Mitstudenten: „Und darauf, endlich wieder ausgehen zu können.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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