Kultusministerium und Schulen: Uneinig über die neue Mittelstufenschule

Schwalm-Eder. Das hessische Kultusministerium und vier Schulen im Schwalm-Eder-Kreis sind sich uneinig über die Umsetzung des Projekts Mittelstufenschule.

Die Schüler sollen ab der Klassenstufe 9 für ein oder zwei Tage pro Woche die Schulbank in der Berufsschule drücken. Die Idee ist, die berufliche Orientierung der Jugendlichen zu fördern.

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres nehmen die Anne-Frank-Schule in Fritzlar, die Erich-Kästner-Schule in Homberg, die Drei-Burgen-Schule in Felsberg sowie die Ohetalschule in Frielendorf am Schulversuch Mittelstufenschule teil. In einer Kooperation mit der beruflichen Friedrich-Ebert-Schule bekommen die Schüler dort den praktischen Unterricht. Dies gilt sowohl für Haupt- als auch für schwächere Realschüler, so die Planung der Schulen.

Das hessische Kultusministerium schreibt etwas anderes vor. Nach den Ideen des Ministeriums werden die Schüler bereits ab der Klasse 8 eine berufliche Schule besuchen.

Vorteile sieht das Kultusministerium darin, dass die Schüler in kleineren Lerngruppen besser gefördert würden. Die Stundenzahl in den Hauptfächern wird zugunsten des praxisorientierten Unterrichts gekürzt. Dr. Dieter Vaupel, Leiter der Drei-Burgen-Schule lehnt es ab, seine Schüler bereits ab der Klasse 8 in die beruflichen Schulen zu schicken. Er sieht damit die Allgemeinbildung gefährdet. Es könne nicht das Ziel einer Schule sein, ihre Sprösslinge so schnell wie möglich für einen Ausbildungsplatz bereit zu machen und das ohne umfassende Bildung.

Dieser Ansicht ist auch die Direktorin der Erich-Kästner-Schule, Marion Temme: "Eine Schule ist kein direkter Zulieferer für die Betriebe." Die Zusage für den Schulversuch kam im Mai dieses Jahres, im August wurde erst die entsprechende Verordnung erlassen. Diese fiel anders aus, als die Projektvorschläge mit denen die Schulen sich beworben hatten.

Mittelstufe gestalten

"Mit der Teilnahme an diesem Schulversuch haben wir die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung der Mittelstufenschule teilzunehmen", sagt Marion Temme. Berthold Umbach, Leiter der Fritzlarer Anne-Frank-Schule, findet: "Schüler müssen an die Berufswelt herangeführt werden." Der Schulversuch ermögliche es ihm, seine Schützlinge so zu beschulen, wie er es für richtig hält.

Derzeit verhandeln die Schulen mit dem Kultusministerium. Noch drei Jahre sind Zeit, bis die derzeitigen Fünftklässler in eine Berufsschule geschickt würden. Bis dahin muss ein Kompromiss stehen.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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