Friedhof in Schiffelborn

Kunst mit der Kettensäge: Bernd Jaklin baute Engelsfigur

Engel aus Holz: Bernd Jaklin aus Oberurff mit der Kettensäge an dem Engel auf dem Schiffelborner Friedhof. Foto: Thiery

Oberurff/Schiffelborn. Sein Hobby ist sehr laut und hat zugleich Tiefe und Feinheit: Bernd Jaklin sägt mit der Motorsäge Skulpturen aus Ahorn, Nussbaum und Pappel. Seine Lieblingsmotive sind Tiere. Viele Bären, Adler und Füchse hat er schon geschaffen. Jetzt schnitzte er einen Engel für den Schiffelborner Friedhof.

Die Frauengestalt schuf er aus einer Douglasie. Der Engel wacht nun über den Gräbern. Mit gefalteten Händen, wallendem Haar und einem Blick, der nach innen führt, ragt er hervor und ist der Hingucker am Rand von Schiffelborn.

Es ist das erste menschlich anmutende Gesicht, dem der Kettensägenkünstler Gestalt gab. Die Douglasie am Friedhof sollte gefällt werden und so entstand die Idee. Denn die Schiffelborner kennen die Schnitzleidenschaft ihres Mitbürgers.

Auch diese Figur hat Jaklin, wie so viele andere zuvor, in einem Rutsch gefertigt. „Verschnitten hat er noch nie etwas“, sagt seine Frau Helga stolz. Er habe eine Vorstellung und setze sie um. Doch dafür brauche er Zeit. Einer seiner Lehrer habe mal gesagt: „Die Figur lebt schon im Stamm, man muss sie nur heraus schneiden.“

Und dann setzt er die Kopfhörer auf, schmeißt die Kettensäge an und legt mit seinem ohrenbetäubenden Hobby los. Seine kreative Ader an der lauten Säge lebt er auf einem kleinen Platz am Ortsrand aus. „Ich kann schließlich nicht das ganze Dorf nerven“, sagt er. Für einen lebensgroßen Holz-Bären braucht er etwa zwei bis drei Tage.

Seine Liebe zur Bildhauerei mit der Kettensäge entdeckte Bernd Jaklin erst vor fünf Jahren, als seine Frau ihm nach einer Krankheit einen solchen Kurs im Harz schenkte. „Ich habe etwas gesucht, das ihm Spaß macht.“ Und das ist gelungen: Er kam voller Euphorie nach Hause, nahm weiter Unterricht und schneidet seitdem Figuren in Stämme.

Für die Arbeiten gibt es verschiedene Sägen. Die filigransten Arbeiten mache man mit dem 25-Zentimeter-Blatt, es läuft spitz zu und hat keinen Rückschlag. Andere sind bis zu einen Meter lang und für die groben Arbeiten, erklärt er.

Eine künstlerische Ader hatte der 57-Jährige schon immer. In seiner Küche hängt ein Landschaftsbild, das er als Kind malte. Er arbeitet mit Speckstein, hat viele Modelle gebaut und ist eigentlich immer mit seinen Händen beschäftigt. Jaklin arbeitet als Betriebskoch in der Kantine von Volkswagen in Baunatal. Das sei ja auch ein kreativer Beruf, sagt er.

Wenn er in den Ruhestand geht, will er sein Hobby noch weiter ausbauen, vielleicht sogar ein Kleingewerbe anmelden, sagt er. Für eine Figur könne man je nach Größe zwischen 200 und 800 Euro berechnen. Allerdings decke das höchstens die Kosten. Holz, Sägen und die Ausrüstung seien teuer, ebenso das spezielle Benzin, der Aspen-Motorsprit.

Sogar einen Transporter, einen Pickup, hat er sich gekauft, weil er öfter Stämme transportiere. Das Ergebnis seiner Arbeit gibt es nicht nur auf dem Friedhof zu sehen, seine Frau Helga betreibt eine Jausenstation, in der viele Holztiere stehen. Für seine Tiermotive, wie Füchse und Adler, stehen keine echten, sondern die kleinen Schleichtiere Modell.

Und weil es kein alltägliches Hobby ist, trifft man Jaklin auch oft auf Märkten in der Region - dort zeigt er dann, wie man in eine Figur in einen Stamm schneidet.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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