Kunst und Politik in Venedig

Kunstbetrachtung mit Konrad Nachtwey im Museum der Schwalm

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Wahrzeichen der Stadt: Konrad Nachtwey mit einem Bild Wassily Kandinskys, das die Rialtobrücke zeigt.

Ziegenhain. Über Kunst und Politik in Venedig sprach am Donnerstag Kunsthistoriker und Politologe Konrad Nachtwey in seiner Reihe „Kunstbetrachtungen“ im Museum der Schwalm. Knapp 40 Zuhörer ließen sich mitnehmen auf eine Zeit- und Geschichtsreise in Italiens Lagunenstadt am Canale Grande.

Nachtwey hatte eine amüsante Mischung aus Dichtung und Wahrheit, aus Legenden und Geschichtsschreibung zusammen getragen und die Gäste lauschten dem Kasseler Schöngeist wie immer mit Aufmerksamkeit und wachsender Begeisterung. Die Maler, die Venedig besuchten, wechselten in ihrer Darstellung zwischen Legenden und harten historischen Tatsachen. Historiker Gerhard Rösch, „ein Kenner Venedigs“, schrieb, dass die Venezianer Mythen an Mythen reihten, um das Wahre unkenntlich zu machen. Sicher sei aber, erläuterte Nachtwey, dass in Venedigs Kirchen bis heute beeindruckende Kunstschätze zu bewundern seien. Und auch, dass die Stadt 1840, bei der Gründung des neuen italienischen Staates, bereits eine 1000-jährige Geschichte hinter sich gehabt habe. Wie lebhaft es in der Stadt zuging, beweisen Bilder. Etwa ein Stich aus der Zeit der Renaissance um 1450, der die Rialtobrücke noch in Holzbauweise zeigt.

Die Gründung der Insellandschaft nach Geschichtsschreiber Ovid dürfe zu Recht angezweifelt werden: „Auf den 25. März 421 fällt auch die Gründung Roms.“ Als Staatsheiliger Venedigs gelte der Heilige Markus, symbolisiert durch einen geflügelten Löwen. „Eine Symbolik, die sich in vielen Bildern wieder findet“, sagte Nachtwey. In einigen Werken werde auch die venezianische Flotte abgebildet: „Damals die größte Schiffs-Baustelle der Welt.“ Sie habe den Venezianern Wohlstand beschert. In Venedig selbst gelte die Kirche San Marco als bedeutendes Bauwerk. Sie erinnere in ihrer Form an die oströmischen Kreuzkuppelkirchen und seit Teil des Dogenpalastes.

Fast ein wenig zu Unrecht trage die Stadt den Name Lagunenstadt: „Tatsächlich war Ravenna, bevor Venedig groß wurde, die erste Lagunenstadt. Heute ist Ravenna versandet“, erläuterte der Kunsthistoriker. Mittelpunkt des Stadtkerns Venedigs sei nach wie vor der Dogenpalast. In unmittelbarer Nähe stehe das Staatsgefängnis. Verbunden würden beide Gebäude durch die Seufzerbrücke, die ihren Namen den Gefangenen zu verdanken habe, die dort auf dem Weg in Gewahrsam waren, sagte Nachtwey. Die Blütezeit erlebte Venedig ab 1050: „Die Stadtrepublik war die beherrschende Macht im Mittelmeer“, erklärte der Referent. Die Venezianer betrieben Handel, führten aber keine Kriege:“Entscheidende Kraft waren Handel und Wandel.“ (zsr)

Quelle: HNA

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