Neues Image schaffen

Kur mit Kräutern und Kneipp: Neukirchen möchte Gäste anlocken

Grüne Oase in der Stadt: Das Kräuterareal ist Teil des neuen Kneipp-Kurgartens in Neukirchen, hier von links Thorsten Brill von Pro Neukirchen und Bürgermeister Marian Knauff.

„Wir müssen der Kur zu einem neuen Image verhelfen. Altbacken war gestern. Die Kur muss neue Zielgruppen finden und den gesamtheitlichen Ansatz von Ernährung, Natur und Wohlbefinden aufgreifen“, sagen Bürgermeister Marian Knauff und der Verein Pro Neukirchen.

Neukirchen – Die Hochzeiten des Kurbetriebes liegen in Neukirchen schon einige Jahrzehnte zurück. In den 1970er/80er-Jahren hätte Neukirchen von der guten Auslastung der Rehaklinik profitiert. Die Gastronomie florierte und auch die Anwendungen nach Kneipp in den Tretbecken waren gefragt.

Im Laufe der Jahre geriet die Kur jedoch immer mehr ins Hintertreffen und so wurde die Zertifizierung als Kur- und Heilbad vor fünf Jahren auch nur noch unter Auflagen erteilt. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Unser Kurgarten kann sich sehen lassen, wir haben Armbadebecken im Kurgarten und im Gesundheitszentrum Vitalis installiert und auch in puncto Tretbecken kommen wir voran“, sagt Knauff.

Ruheoase und Naturtretbadestelle im Urbach

So wird das Tretbecken, das allzu oft Opfer von Vandalismus geworden war, künftig durch das benachbarte Gesundheits- und Fitnesszentrum Vitalis mitbetreut und zudem soll es eine weitere Tretmöglichkeit direkt am Kneipp-Kurgarten geben. Der Kneipp-Kurgarten soll als kleine Ruheoase inmitten der Stadt eine neue Naturtretbadestelle im Urbach erhalten. „Sobald der Wasserpegel es zulässt, werden wir mit den Arbeiten am Urbach loslegen“, sagt der Geschäftsführer von Pro Neukirchen Thorsten Brill.

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Idyllisch: Der Urbach fließt direkt entlang des Kneipp-Kurgartens.

Auch das Sankt Martin-Seniorenheim stünde kurz vor einer Zertifizierung als Kneipp-Seniorenheim. Sowohl der Koch des Seniorenheimes als auch der Koch des Hotels Combecher hätten sich schon mit den Ernährungsansätzen Kneipps vertraut gemacht und würden entsprechende Angebote machen.

„Auch im Café Zeitlos gibt es eine Kneipp-Karte“, so Brill, der auch Kontakt zu den Kindergärten und der Steinwaldschule gesucht hat. Gerade für Kinder gebe es interessante Kneipp-Ansätze, die nun erstmal mit den Erzieherinnen erarbeitet werden sollen. Auch die Steinwaldschule könne vom Kurangebot profitieren und beispielsweise den Kräutergarten im Kneipp-Kurgarten als Lehrgarten nutzen. „Schon heute holen sich zahlreiche Neukirchener ihre handvoll Kräuter im Kräutergarten“, freut sich Brill.

Wellness- und Gesundheits-Ansatz ebenso wichtig wie Erleben von Natur und Angebote für Familien

Gudrun und Bernd Bangert hegen und pflegen auch im Alter das kleine Kräuteridyll mit viel Hingabe und Leidenschaft. Für Senioren wurden eigens kleine Hochbeete zur Kräuterernte angelegt. Für die anstehende Kurzertifizierung müssen auch die sieben Terrainwanderwege im ordentlichen Zustand sein und auch hier hat Thorsten Brill schon nach dem Rechten geschaut und für neue Beschilderungen gesorgt. „Die Luftqualitätsbeurteilung durch den Deutschen Wetterdienst steht in nächster Zeit an. Ein weiterer Baustein zur Zertifizierung“, sagt der Bürgermeister.

Pro Neukirchen ist es wichtig, dass für Neukirchen als Kurort Leistungspakete entwickelt werden, die für zahlreiche Zielgruppen interessant sind. Der Wellness- und Gesundheits-Ansatz seien hierbei ebenso wichtig wie das Erleben von Natur oder die Angebote für Familien.

„Für die Umsetzung des Bike-Parks warten wir nur noch auf den Förderbescheid in Höhe von 175 000 Euro“, so Knauff, der froh ist, dass der Heilbäderverband mit seinem Fachwissen in die Pflicht genommen wurde, um Neukirchen bei der Aufwertung der Marke Kur zu unterstützen. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

Der Mann mit dem grünen Daumen: Gärtnermeister Bernd Bangert sorgt seit vielen Jahren für blühenden Flächen und Kübel in der Stadt.

Bürgermeister: „Wir haben viel zu bieten“ 

Inzwischen gab es unter Leitung des Heilbäderverbandes eine Markenwerkstatt, bei der man sich über moderne Ansätze der Kur austauschte.

„Wir haben viel zu bieten, müssen es nur auch entsprechend an die Menschen herantragen“, ist Marian Knauff überzeugt. Almut Boller, Geschäftsführerin des Heilbäderverbandes, weiß, dass Heilbäder und Kurorte in Hessen auch im schwierigen Jahr 2020 einen Beitrag von rund 37 Prozent an den gesamthessischen Übernachtungen leisteten.

Für Neukirchen weist die Heilbäder-Statistik im Jahr 2020 21 492 Übernachtungen aus. Im Jahr 2015 waren es zum Vergleich 29 580 Übernachtungen. 2019 arbeiteten 40 000 Menschen in den Kur- und Heilorten Hessens in der Gesundheitswirtschaft. Weitere 10 000 tourismusinduzierte Arbeitsplätze gehen auf das Konto der Kur- und Heilorte.

Eine Bruttowertschöpfung von über 2,2 Milliarden Euro stärkten die örtliche Infrastruktur mit Einzelhandel, Dienstleistungssektor und Gastgewerbe in den Kurorten.

„Der Kneipp-Kurgarten bietet sich als Veranstaltungsraum für Open-Air-Angebote hervorragend an. Neben den Sofakino-Events locken Märchenlesungen oder auch die Kunstausstellung „Weibs Bilder“ am 14. August“, so der Bürgermeister zum Thema weiter.

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