Reihe Hospitalkonzerte: Tobias Escher, Thomas Bauser und Hans Fickelscher zu Gast

Kuriosum Quetschkommode

Akkordeon traf Hammond-Orgel und Schlagzeug: Hans Fickelscher, Tobias Escher und Thomas Bauser (von links) traten am Samstag in Treysa auf. Foto: Rose

Treysa. Stefan Reitz brachte es am Samstagabend kurz und knapp auf den Punkt: „Die Worte, die man so hat, reichen für diese Musik nicht aus – das muss man einfach hören.“

Damit legte der Organisator der Konzertreihe die Messlatte schon mal ziemlich hoch. Verstecken musste sich das Tobias Escher Trio jedoch hinter dieser Erwartung nicht. Zugegeben, wenn Akkordeon auf Hammond B3-Orgel und Schlagzeug trifft, dann ist das keine ganz alltägliche Kombination. Und wenn die drei Instrumentalisten dann auch noch locker und leicht arrangierten Jazz bieten, dann ist ein überraschendes Hörerlebnis garantiert.

Tobias Escher am Akkordeon, Thomas Bauser an der Orgel und Hans Fickelscher am Schlagzeug entlockten den Instrumenten neue Facetten. Titel des Akkordeonmeisters Frank Marocco erblühten in eigentümlichen Interpretationen zu neuem Leben. Fickelschers sensibles Spiel mit spannenden Rhythmen schmiegte sich fast zärtlich an den Klang des Akkordeons, Thomas Bausers reduzierte und unaufgeregte Swing- und Groove-Elemente bilden die perfekte Basis für Eschers souveräne Mischung aus Jazz, Blues, Chanson, ja sogar Rock ‘n’ Roll.

Dabei wurden insbesondere Akkordeon und Hammond-Orgel zeitweise belächelt und bösartig-lästerlich unter dem Begriff Schweineorgel zusammengefasst. Wegen ihres Synthesizerklangs hatten später sämtliche billige Orgeln den gehässigen Spitznamen weg. Dabei prägte insbesondere die Hammond-Orgel den besonderen Sound der 1960er-Jahre.

Tobias Escher bricht gezielt so manche Quetschkommoden-Konvention: Mal kreativ, mal progressiv weicht er die Grenzen zwischen klassischen Akkordeonbearbeitungen und tolldreisten Arrangements auf.

Nicht minder frech – aber ebenso herzlich und mit leiser Ironie gespickt – parliert die muntere Ménage à trois (Dreierbeziehung). Escher frotzelt über Weingutbesitzer Bauser: „Das Wetter hat ihm übel mitgespielt, wir haben schon einen Hilfsfonds gegründet.“ Oder fordert das Publikum auf: „Wir spielen jetzt einen Walzer – es darf an den Seiten auch getanzt werden.“ Als er singt, tut er das durchs Megafon: „Erst kürzlich erworben im Schlosspark Stuttgart.“

Dem Publikum gefiel das experimentelle Geplänkel. Aber die Worte, die man so hat, reichen für diese Musik tatsächlich nicht aus – man muss sie einfach hören.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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