Döring: „Ausbildung ist wichtig“

Kutschfahrer sollen künftig Führerschein machen

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Vorsicht, Kutsche: Götz Döring von der Fuhrhalterei Döring in Zennern lenkt sein Gespann mit der Kutsche durch die engen Gassen von Fritzlar. Das Schild hinten soll andere Verkehrsteilnehmer auf die langsame Kutsche aufmerksam machen.  

Schwalm-Eder. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat die Einführung eines bundesweit einheitlichen Kutschenführerscheins zum 1. Juni 2017 beschlossen. 

Jeder, der sich mit einer Kutsche im Straßenverkehr bewegt, soll über den Kutschenführerschein A (Privatperson) seine Qualifikation nachweisen, für gewerbliche Fahrer soll es einen Kutschenführerschein B (Gewerbe) geben.

Die Begründung: Kutschfahrer sind mit ihren Pferdegespannen häufig auch im Straßenverkehr unterwegs. Es gehe um Sicherheit und Unfallvorbeugung. Mit dem Führerschein werde das sichere Fahren in Straßenverkehr und Gelände sowie der pferdegerechte Umgang vermittelt.

CorneliaDöring

In Nordhessen gibt es zwischen 100 und 200 Kutschfahrer, schätzt die Fahrsportbeauftragte des Pferdesportverbandes Kurhessen-Waldeck, Cornelia Döring (Wabern-Zennern). Bisher sei der Kutschenführerschein nicht bundesweit gesetzlich verankert, im Falle eines Unfalls oder Versicherungsfalls sei er jedoch wichtig, um besondere Sachkunde nachzuweisen. „Sonst ist man unter Umständen nicht versichert“, sagt Cornelia Döring. Sie veranstaltet zusammen mit ihrem Ehemann Götz seit 1992 Fahrlehrgänge und begrüßt ausdrücklich die jetzt geplante Einführung des Kutschenführerscheins – vor allem für Hobbysportler.

„Ich bin schon immer der Meinung, das eine Ausbildung für jeden wichtig ist, der sich mit Pferden im Straßenverkehr bewegt“, sagt Döring, die am 4. März eine Informationsveranstaltung zum neuen Kutschenführerschein anbietet.

Insbesondere Tierrechtsorganisationen würden den Fahrsport inzwischen vermehrt kritisch beobachten und hätten zuletzt ein generelles Verbot von Kutschen im Straßenverkehr gefordert, berichtet die Fahrlehrerin.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung wolle daher jetzt alle Pferdesportfreunde mobil machen und ihnen entsprechende Lehrgänge anbieten, die Grundlage zum Erwerb des Kutschenführerscheins seien. Inhaltlich geht es hauptsächlich um Basiswissen, wie die Grundzüge des Ein- und Ausspannens und die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung.

Der Lehrgang zum Kutschenführerschein A für Hobbypferdesportler umfasst mindestens 45 Lehreinheiten. Mindestalter für die Ausstellung ist 16 Jahre. Unter 16 ist es wie beim Autoführerschein: Man darf in Begleitung eines volljährigen Fahrers fahren, der mindestens in Besitz des Kutschenführerscheins A ist und zweijährige Fahrpraxis vorweisen kann.

Bewerber für den Kutschenführerschein B (Gewerbe) müssten mindestens 18 sein. Da werden deutlich erweiterte Kenntnisse vorausgesetzt. Als gewerblicher Fahrer gilt jeder, der gegen Entgelt mit seiner Kutsche Personen oder Lasten befördert.

Ein Basis-Lehrgang kostet laut Döring etwa 500 bis 600 Euro. Fachleute überprüfen am Ende die Kenntnisse der Teilnehmer in Theorie und Praxis, man kann auch durchfallen. Darüber hinaus gibt es Lehrgänge, bei denen es um spezielle Themen wie Turniersport oder Wanderfahrten geht. 

Tipp: So passiert ein Autofahrer eine Kutsche

Kutschen, die von Pferden gezogen werden, sollten öffentliche, stark befahrene Straßen möglichst meiden, sagt Cornelia Döring. Doch bestimmte Straßenabschnitte müsse man nutzen, um von A nach B zu kommen. Sie appelliert an Fahrschulen, ihre Schüler auch für den richtigen Umgang mit diesen Verkehrsteilnehmern zu schulen. 

Sie gibt Tipps, worauf man als Autofahrer achten sollte: 

• sich darauf einstellen, dass eine Kutsche nur 5 bis 6 km/h schnell ist (Schritt). „Das ist fast ein stehendes Hindernis“. 

• langsam (max. 25 km/h) an Kutschen vorbeifahren, 

• keine plötzlichen, unnötigen Geräusche verursachen, keinesfalls hupen, 

• vorsichtig überholen, auf Gegenverkehr achten. 

Quelle: HNA

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