KWS ist weiter ein Zankapfel in Schwalmstadt

Vorher: Diese Aufnahme zeigt den als „Fuchsbau“ berüchtigten Wohnblock vor dem Verkauf im September 2016.  

Schwalmstadt. Die Zukunft der stadteigenen KWS (Kommunale Wohnungsgesellschaft Schwalmstadt) wird gereizt diskutiert.

Den Wirtschaftsplan mit einem vorhergesagten Verlust in Höhe von 147.000 Euro hat eine Mehrheit von CDU, Freien Wählern und FDP (17 Stimmen) in der jüngsten Stadtverordnetensitzung abgelehnt. Für eine Annahme waren SPD und Die Linke gewesen (16 Stimmen).

Peter Hill (CDU) führte in der Sitzung aus, die KWS habe in den 25 Jahren ihres Bestehens 1,7 Mio. Euro Schulden angehäuft, es handele sich um ein „Millionengrab“, in das man nicht weiter geliehenes Geld werfen sollte. Nunmehr sei der verkaufte problematische Block in der Hersfelder Straße durchsaniert, der KWS mangele es indes an Kompetenz. Die SPD betreibe eine „verantwortungslose und überflüssige Klientelpolitik“, sagte Hill, es sollte „die Reißleine gezogen“ werden. Dagegen hielt Sebastian Vogt (SPD): „Wir stehen hinter der KWS und dem Prinzip des Sozialen Wohnungsbaus.“ Die KWS sei nach Auffassung der SPD kein Wirtschaftsbetrieb, der Gewinne erbringen müsse. Um die KWS ging es in der selben Sitzung noch zwei Mal.

So hatte die SPD den Prüfantrag gestellt, Fördermöglichkeiten für die Sanierung von KWS-Wohnraum zu ermitteln. Weiter sollte die Möglichkeit zinsgünstiger Darlehen geprüft werden und der Austausch mit der erfolgreichen WSB (Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft Schwalmstadt eG) gesucht werden. Der Prüfantrag fand eine knappe Mehrheit aus SPD, Linken und Bündnis-Grünen.

Nachher: So sieht das Gebäude heute aus, laut Investor sind alle Wohnungen vermietet.

Einhellige Zustimmung bei einer Enthaltung fand dann noch der gemeinsame Antrag von Bündnisgrünen, FDP, FWG und CDU. Demnach wird nun geprüft, ob die KWS in eine Genossenschaft umgewandelt werden kann. Dabei wurde wiederum die WSB als Vorbild zitiert.

Investor will mehr ankaufen

Voll vermietet ist der frisch sanierte Wohnblock in der Hersfelder Straße, der früher als „Fuchsbau“ berüchtigt und teilweise unbewohnbar war. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit war das Immobiliengeschäft im September 2016 über die Bühne gegangen. Einem ersten Verkaufsvorstoß in der Amtszeit von Bürgermeister Dr. Gerald Näser habe sich die SPD widersetzt gehabt, berichtete Peter Hill (CDU) jetzt in der Stadtverordnetensitzung. Investor Roman Stanke, der die Hersfelder Straße 11/13 gekauft und saniert hat, sagte im Gespräch mit der HNA, dass er durchaus an weiteren Liegenschaften der KWS interessiert sei. Stanke bestätigte, dass er vor dem Kauf des Blocks in der Hersfelder Straße zugesagt habe, die Mieten günstig zu halten, einen Vertrag oder ein sonstiges schriftliches Dokument gebe es aber nicht. Stanke beantwortete auch die Frage nach seinen konkreten Preisen. Die größeren Wohnungen mit 75 Quadratmetern lägen unter 5 Euro für den Quadratmeter, für die kleineren müssen Mieter 5,70 Euro pro Quadratmeter bezahlen. KWS-Mieten ab 3,57 Euro Zum Vergleich: Die Mieten bei der KWS bewegen sich zwischen 3,57 Euro bis 4,71 Euro pro Quadratmeter kalt. Bei der WSB zahlen Mieter 4 Euro. 

Hintergrund: KWS-Verlust dieses Jahr 147.000 Euro

Die KWS hat nach dem Verkauf der Blocks in der Hersfelder Straße noch 68 Wohnungen, unter anderem stark sanierungsbedürftige im Hospital, Steingasse Treysa, in der Waldemar-Friauf-Straße in Treysa und in der Albert-Schweitzer-Straße in Ziegenhain. Im vorgelegten Wirtschaftsplan 2017 mit einem prognostizierten Verlust in Höhe von 147 000 Euro ist zu lesen: „Zukünftig werden sich die Verluste noch um ein Vielfaches erhöhen.“ (aqu)

Quelle: HNA

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