Menschen rund um den Globus brechen beim Weltlachtag für drei Minuten in Gelächter aus

Lachen für den Weltfrieden

Mund auf, Augen zusammenkneifen: der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück, Moderatorin Michelle Hunziker und Fußballtrainer Jürgen Klopp machen vor, wie es geht. Archivbilder: dpa

Wolfhagen. Es wird ein lustiger, aber womöglich auch etwas befremdlicher Anblick sein: Hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt werden am kommenden Sonntag um Punkt 14 Uhr deutscher Zeit gleichzeitig lachen – drei Minuten lang, und scheinbar ohne Grund. Seit über zehn Jahren feiern Menschen rund um den Globus am ersten Mai-Sonntag den Weltlachtag und treffen sich zur gemeinsamen Lachattacke.

Auch die Menschen auf den Wolfhager Straßen lachen gern und oft – aber nicht unbedingt auf Kommando. „Ich lache am meisten über Situationskomik, das muss sich von ganz allein ergeben“, sagt Siegfried Warm aus Ippinghausen. „Man kann einen Lacher nicht erzwingen, das funktioniert nur ganz selten.“

Lachen ohne Witze

Obwohl die Teilnehmer des Weltlachtags pünktlich und teilweise sehr organisiert lachen, geht es auch hier nicht in erster Linie um Humor. Der ungewöhnliche Feiertag stammt ursprünglich aus der so genannten Lachyoga-Bewegung, die vor allem durch den indischen Arzt Madan Kataria populär gemacht wurde. Dabei wird ohne die Zuhilfenahme von Witzen oder sonstigem Humor gelacht. Die Teilnehmer wollen mit dem Lachen ein Zeichen für den Weltfrieden setzen. Ganz uneigennützig ist das Lachen jedoch nicht – schließlich steigere es das Wohlbefinden jedes Einzelnen, erklärt Madan Kataria. Rund 80 Muskeln werden beim Lachen aktiviert, zudem bringe es Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung und stärke die Abwehrkräfte, so Kataria auf einer der vielen Internetseiten, die sich mit Lachyoga beschäftigen.

Weltweit existieren schätzungsweise 10 000 Lachyoga-Clubs, von denen viele am Weltlachtag zu Großveranstaltungen einladen. Im vergangenen Jahr gab es unter anderem Treffen in Hamburg, Münster und Berlin. Bei der Lachparade in Zürich rennen beispielsweise mehrere hundert Personen lachend durch die Innenstadt.

Auch die Wolfhager lachen gerne mit anderen zusammen, vorzugsweise mit der Familie. „Ich kann praktisch jeden Tag mit meinem kleinen Enkel zusammen lachen“, sagt Elke Schubert aus Wolfhagen. „Es ist eine wahre Freude, ihm zuzusehen.“

„Mit vielen Freunden lacht es sich am besten“, sagt Dennis Tonner. Der Wolfhager kann sich auch für viele Komiker aus dem Fernsehen begeistern. „Mario Barth zum Beispiel ist ganz witzig.“

Auch bei den ersten Untersuchungen der medizinischen Auswirkungen des Lachens spielten Komiker von der Mattscheibe eine entscheidende Rolle. Bereits in den 1960er-Jahren entdeckte der amerikanische Psychiater William Fry, dass das Lachen das Immunsystem des Körpers stärkt. Für seinen Selbstversuch hatte sich Fry Slapstick-Filme von Oliver Hardy und Stan Laurel alias „Dick und Doof“ angesehen und sich dabei regelmäßig Blut abnehmen lassen. Das überraschende Ergebnis: Die Aktivität der körpereigenen Abwehrzellen stieg beim Lachen deutlich an. Laut Fry hielt die Wirkung auch mehrere Stunden nach dem Lachanfall an.

Lachen gegen Depressionen

Seitdem haben sich viele Studien mit den gesundheitlichen Auswirkungen des Lachens und der vom Körper freigesetzten Endorphine – im Volksmund auch „Glückshormone“ genannt – beschäftigt, mit unterschiedlichen Ergebnissen. Unbestritten ist jedoch die heilende Wirkung des Lachens für die Psyche. „Es ist statistisch belegt: Wer häufig lacht, ist weniger anfällig für Depressionen“, sagt die Wolfhager Ärztin und Psychotherapeutin Dr. Christiane Becker. „Wer viel lacht und auch auf unangenehme Situationen mit einem Lachen reagieren kann, hat es leichter im Leben.“ Worüber man lacht, sei dabei eigentlich egal. Ein Witz könne dabei genau so gut tun wie das Lachen über ein eigenes Missgeschick.

„Humor ist eher situationsabhängig“, findet auch Thomas Gurtmann aus Bad Emstal. „Es gibt keinen bestimmten Komiker, bei dem ich sage: So, das ist jetzt witzig. Ich lache eher über kuriose Situationen. Natürlich oft mit Freunden, aber manchmal auch einfach nur für mich.“

Weitere Infos zum Weltlachtag und zum Lachyoga: www.yogilachen.de

Von Simon Neutze

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