Lachs und ein offenes Ohr: Marita Hofmann liefert Essen auf Rädern

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Die Zeit ist knapp, doch Marita Hofmann (links) vom Menüservice des ASB Bad Emstal findet stets freundliche Worte für ihre Kunden. Martha Freitag erklärt sie den Menüplan.

Bad Emstal. Maria Sauerbier ist vorbereitet. Mit blauen Kochhandschuhen steht sie im Türrahmen. Die 90-Jährige wartet. Auf Marita Hofmann. Und auf den Grießbrei mit Mandarinen.

„Ich freue mich immer, wenn sie kommt“, sagt Sauerbier über Hofmann. „Die ist schon in Ordnung“, schiebt sie nach, als Hofmann ihr das Mittagessen für diesen Donnerstag übergibt. „Bis morgen.“ Es ist 10.20. Hofmann liegt gut in der Zeit.

Seit 10 Uhr ist sie mit dem weißen Lieferwagen unterwegs. Im Kofferraum liegt ihre heiße Ware, eingepackt in zwei schwarzen Boxen: 25 Mittagessen. Lachs, Jägerklößchen, Rahmschnitzel und eben Grießbrei. Die 56-Jährige arbeitet für den Menüservice des ASB Bad Emstal. Sie liefert Essen auf Rädern. Ihre Tour: Balhorn, Sand, Merxhausen und zurück.

Zu Hofmanns Kunden zählt, wer nicht mehr kochen will oder kann. Senioren. Die meisten jenseits der 80. Viele kennt Hofmann seit Jahren. Sie begleitet ihre Kunden beim Altern. „Manchmal sieht man richtig, wie die Leute abbauen“, sagt Hofmann. Zu Beginn habe sie das sehr berührt. Sie musste lernen, die Schicksale nicht an sich heranzulassen. „Ich musste eine Grenze setzten“, blickt Marita Hofmann zurück. Das war vor 18 Jahren.

Mit dem nächsten Kunden spricht Hofmann nicht. „Er möchte sein Essen in die Box bekommen“, erklärt sie. Die Box ist blau, kleiner als die beiden im Wagen und steht vor der Haustür. Sie soll das Essen warmhalten. „Zwei Stunden auf alle Fälle“, versichert die Balhornerin. Hofmann steigt aus, liefert den Fisch und legt eine Speisekarte dazu – der Bestellbogen für die nächsten zwei Wochen. Weiter geht’s.

„Ich bin flott“, sagt Hofmann mit eine Lachen und blickt auf den Tourenplan. Die Route hat sich mit den Jahren eingespielt. Auf beiden Seiten. „Bei Schnee im Winter oder im Sommer, wenn Mähdrescher vor mir fahren, dauert es länger. Da fragen die Kunden schon, warum ich später bin als sonst.“ Neukunden integriert sie schnell in ihren Plan. Sie schaut, wann es passt.

Auch wenn die Zeit knapp ist, ein paar Worte „sind bei mir immer drin.“ So auch für Martha Freitag. Die 84-Jährige winkt schon von Weitem, als sie Hofmann sieht. An diesem Donnerstag gibt es bei ihr Lachs und einen Blick auf den Bestellbogen. Was macht die Gesundheit? Hofmann hört, fragt nach. Bis sie weiter muss.

„Die Kunden freuen sich alle über den Besuch“, sagt sie wenig später im Auto. Viele seien alleine. Es gibt Tage, an denen ist Hofmann ihr einziger Gesprächspartner.

Hofmann startet den Endspurt. Noch einmal Grießbrei. Es geht nach Balhorn, wo ihre Tour begann. Noch einmal mit dem blauen Handschuh eine Mahlzeit in die blaue Box legen. Es ist 11.50 Uhr. Hofmann hat den Zeitplan eingehalten. „Das war’s“, sagt sie und verabschiedet sich. Sie macht jetzt Mittag: Es gibt Möhreneintopf.

Quelle: HNA

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