Neues Konzept, um kleine Orte zu versorgen

Lädchen geht an den Start: Tegut und Diakonie eröffnen Supermarkt

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Theke statt Kassenband: Das Lädchen in Körle orientiert sich am Tante-Emma-Laden. Renate Heitmann und Karin Piemeisl (von links) haben mit ihrem Arbeitkreis das Projekt vorangetrieben. Daneben stehen Bürgermeister Mario Gerhold, Knut John von Tegut und Burkhard Finke.

Körle. Eine Supermarktkette als Lieferant, ein Sozialträger als Betreiber und Behinderte als Mitarbeiter – dieses ungewöhnliche Konzept geht nun in Körle an den Start. Dort öffnet in der kommenden Woche das „Lädchen für alles“.

Der Mini-Supermarkt ist eine Möglichkeit, die Versorgung kleiner Ortschaften mit Lebensmitteln zu sichern.

Das Konzept stammt vom Handelsunternehmen Tegut aus Fulda. Ausgangspunkt der Idee ist der traditionelle Tante-Emma-Laden, der aber mittlerweile aus vielen Orten verschwunden ist. Der Grund: Das Warenangebot ist oft eingeschränkt, die Preise sind nicht konkurrenzfähig.

Beim Lädchen soll das anders werden: Laut Tegut sind die Preise identisch mit denen von Tegut-Filialen in den Städten. Das Sortiment reicht zudem von Discount-Produkten bis Premiumware.

120 000 Euro hat Tegut in die Einrichtung des Lädchens in Körle investiert. Auf 230 Quadratmetern wird ein Sortiment von bis zu 4000 Artikel verfügbar sein. „Das ist drei- bis viermal soviel wie bei einem Discounter“, sagt Burkhard Finke von der Baunataler Diakonie Kassel (bdks). Die ist der Betreiber des Lädchens.

Drei Vollzeitkräfte plus eine Teilzeitkraft werden den Laden in der Anfangsphase am Laufen halten. Später sollen hier auch mindestens zwei Mitarbeiter mit Behinderung arbeiten, die aus dem Bereich Baunatal, Malsfeld, Wabern kommen. Denn obwohl die Einbeziehung Behinderter öffentliches Thema sei, hätten sie es weiterhin schwer, am normalen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Wir machen es, weil es sonst keiner macht“, sagt Projektleiter Finke.

Gewinn darf die Diakonie mit dem Lädchen nicht erwirtschaften. Am Ende müsse die schwarze Null stehen. Allerdings sei selbst das durch die geringen Gewinnspannen im Lebensmittelhandel eine Herausforderung.

„Wir waren zu optimistisch“

Dass das Lädchen nun zwei Monate später als geplant öffnet, sei den ursprünglich zu ehrgeizigen Planungen geschuldet. „Wir waren da zu optimistisch.“ Nur dank des entgegenkommenden Gebäudeeigentümers sei man nun soweit. Denn die Ladenfläche war eigentlich zu groß und musste verkleinert werden.

Im Lädchen wird zudem ein Treffpunkt mit Tischen und Stühlen angeboten, außerdem gehört ein Biobäcker dazu: Befürchtungen des Bäckers in Körle versucht Finke weiter zu zerstreuen. Die Diakonie betreibt bereits ein Lädchen in Gieselwerder (Weserbergland). „Der Laden dort läuft, und der Bäcker hat nicht dicht gemacht.“

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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