Absatzflaute

Preise fallen: Lage für Milchbauern ist wieder bedrohlich

+

Schwalm-Eder. Die Erzeugerpreise für Milch sind erneut auf ein Niveau gefallen, das für einige Landwirte existenzbedrohlich sein könnte.

Im Schnitt erhalten die Bauern über die hiesigen Molkereien 32,5 Cent pro Liter. Ohnedies ist die Zahl der Milchviehbetriebe in den vergangenen Jahren schon deutlich zurückgegangen. Eine ähnlich bedrohliche Preisentwicklung hatte es auch vor sieben Jahren gegeben.

Existierten 2003 im Landkreis noch 500 Betriebe von der Milchwirtschaft, so sind es nach Angaben des Regionalbauernverbandes Kurhessen derzeit 350. Auch die Zahl der Milchkühe habe um zehn Prozent auf 12 125 abgenommen, so der Sprecher des Verbandes, Stefan Strube. Gründe sieht er in den Preissenkungen bei Trinkmilch und Milchprodukten, aber auch in der abflauenden Nachfrage aus China und in den Sanktionen gegen Russland.

Strube befürchtet, dass sich der Strukturwandel fortsetzen wird. Im kommenden Jahr wird die Milchquote abgeschafft, mit der die Menge gesteuert wurde. Wie sich das auswirken werde, lasse sich noch nicht absehen.

Es gibt aber auch Kritik am Regionalbauernverband. Die Landwirte seien animiert worden, in die Milchwirtschaft zu investieren, sagt Günther Koch, Milchbauer aus Homberg. Zurzeit sei aber deutlich zu viel Milch auf dem Markt und die Bauern müssten teilweise Strafabgaben von 25 Cent pro Liter zahlen, wenn sie ihre Quote überschreiten.

„Das ist eine dramatische Entwicklung, die Existenzen kosten wird“, sagt Koch, der vor zwei Jahren auf Bio-Milch umgestellt hatte. „Wir müssen die Menge wieder in den Griff bekommen und dürfen keine Milchsee produzieren“, fügt er hinzu. Er fordert eine Steuerung, mit der flexibel auf den Markt regiert werden könne. Sein Eindruck: Relativ kleine Betriebe mit weniger als 100 Kühen seien nicht mehr erwünscht.

Von Heinz Rohde

Hintergrund: Michquote seit 1

Die Milchquote wurde im Jahr 1984 von der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) eingeführt, um die steigende Milchproduktion in den Mitgliedsstaaten zu beschränken, die zu immer größeren Überschüssen (Milchsee, Butterberg) geführt hatten.

In Deutschland wurde die dem Land zugeteilte Quote auf die einzelnen milcherzeugende Betriebe verteilt, sodass Landwirte, die über die zugeteilte Menge hinaus produzieren, bis heute Strafe zahlen müssen. Seit dem Jahr 2000 können Quoten an der Milchbörse gehandelt werden.

Im Zuge der EU-Agrarreform wird die Milchquote zum 1. April 2015 abgeschafft. (nik)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare