Geld wird knapp

Land und EU kürzen Fördermittel für Berufsvorbereitung in der Jugendwerkstatt

Felsberg. Konzentriert beugen sich Fabian Schellinger (23) und Philipp Schmidt (18) über die Werkbank und schneiden helle Holzbretter in Form. Am anderen Ende der Werkbank sieht man schon, was aus den Holzstücken werden soll: ein Hocker, den man zusammenstecken kann.

"Es macht Spaß, mit Werkzeug zu arbeiten", findet Fabian. "Aber den Unterricht finde ich auch gut." Auf eine Tafel hat Jochen Guinand, Arbeitsanleiter in der Holzwerkstatt, mathematische Formeln geschrieben. Denn Fabian und Philipp sollen nicht nur den praktischen Umgang mit Holz, Säge und Leim lernen, sondern auch die theoretischen Grundlagen: Wie berechnet man zum Beispiel einen Flächeninhalt?

Fabian und Philipp sind zwei von 34 Jugendlichen, die derzeit an der Berufsvorbereitung in der Felsberger Jugendwerkstatt teilnehmen. Ihre Gemeinsamkeit: Sie finden keinen Ausbildungsplatz, weil sie einen schlechten oder gar keinen Schulabschluss haben, nicht wissen, was sie beruflich machen wollen, persönliche Probleme haben. In der Jugendwerkstatt sollen sie fit für die Ausbildung werden. Im kommenden Ausbildungsjahr wird es dieses Angebot nur noch für 26 Jugendliche geben - denn die Mittel für das Projekt, das vom Land Hessen und aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird, werden gekürzt.

Dabei ist die Nachfrage nach der Berufsvorbereitung groß - vor allem in der Hauptschulgruppe, in der Jugendliche ihren Schulabschluss nachholen können. "Da müssen wir jetzt schon Bewerbungen ablehnen", sagt Charlotte Müller, die bei der Jugendwerkstatt für die Berufsvorbereitung verantwortlich ist.

Wenn die Mittel gekürzt werden, bedeutet das nicht nur, dass es weniger Plätze gibt - auch das Angebot der Jugendwerkstatt könnte darunter leiden. "Mit so wenig Leuten ist es schwierig, drei Produktionen aufzubauen", erklärt Müller. Derzeit können die Jugendlichen noch zwischen den Werkstätten Holz, Metall und Hauswirtschaft wählen.

Zur Berufsvorbereitung gehören auch drei Praktika, die die Jugendlichen in Betrieben ihrer Wahl absolvieren. Das soll später die Suche nach einem Ausbildungsplatz erleichtern. Bei knapp 70 Prozent der Jugendlichen klappt das - so auch bei André Kehl. Der 18-jährige Morschener arbeitet in der Metallwerkstatt der Jugendwerkstatt. Doch sein Praktikum hat er in Heinebach beim Einzelhandel gemacht - und dort bot man ihm gleich einen Ausbildungsplatz an. Wieviele Jugendliche künftig noch eine solche Chance in der Jugendwerkstatt bekommen, hängt von den Fördermitteln ab.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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