Teil der Performance "Verbrennt den Ketzer"

Landart-Künstler steckte Lutherporträt in Mardorf in Brand

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Mit einem Schrei wirft der Inquisitor den Schwan (Luther) ins Feuer: Landart-Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer schlüpfte für die dritte Aktion seines Projekts „Von Luther lernen“ in ein Kostüm und steckte den Mund seines Lutherporträts aus Erde und Stroh in Brand.

Homberg. Seit September ziert ein riesiger Lutherkopf aus Erde und Stroh einen Acker in Mardorf. Nun hat der Landart-Künstler Hans-Joachim Bauer das Porträt angezündet. 

Diese Aktion ist Teil der Performance „Verbrennt den Ketzer – die Gegenreformation.“ Mühselig schiebt die Gestalt in der roten Kutte einen Rollator durch das knöchelhohe Gras eines Ackers. Die Räder bleiben öfters im Gestrüpp stecken, der Mann in der Kutte stockt, setzt aber seinen Weg immer wieder fort. In der Ferne sieht man die Dächer des Homberger Stadtteils Mardorf, die allmählich in der Dunkelheit der Oktobernacht verschwinden.

Hans-J. Bauer

In der Kutte steckt der Homberger Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer. Für die dritte und vorletzte Aktion seines Landart-Werkes „von Luther lernen“ schlüpfte er in die Rolle eines namenlosen Inquisitors. An einem Strohhaufen erwartet ihn schon die Feuerwehr von Mardorf.

Denn Bauer hat etwas Radikales vor: Mit zwei Fackeln entzündet er etwa vier Kubikmeter Stroh und setzt so einen Teil seines Lutherporträts in Brand.

Lichterloh brennt der Mund des Porträts. Die Lippen hatte Bauer mit dem Buchstaben W dargestellt – W für das Wort, die Wortgewandtheit des Reformators und dessen schärfste Waffe. „Das ist der actionreiche Teil meiner Kunst. Damit wird die Gegenreformation eingeleitet“, erklärt Bauer. Mit seiner Aktion visualisiere er symbolisch den Kampf der Reformationsfeinde. Luther habe mächtige Feinde gehabt, die ihn vernichten wollten. „Er befand sich sehr nah am Feuer, auch wenn er selbst nicht verbrannt wurde, wie andere Opfer der Inquisition“, sagt Bauer.

Als Inquisitor der katholischen Kirche verkleidet, wirft Bauer ein Buch, eine Lutherrose und eine Schwanenpuppe in die Flammen – Dinge, mit denen Luther in Verbindung gebracht wird.

Bauer ist sichtlich angestrengt: Er kämpft mit den drei Objekten, reißt stöhnend die Seiten aus dem Buch, zerrupft ungeschickt die Rose. Bauer fällt häufig in sich zusammen, nur um für einen kurzen Moment zu erstarken und mit einem Schrei die Gegenstände nacheinander ins Feuer zu schleudern. Zum Schluss sackt der Inquisitor kraftlos auf seinem Rollator zusammen: Die Katholische Kirche ist alt und schwach, die Reformation hat trotz dieses Brandanschlags überlebt.

Mühselig: der Inquisitor reißt Seiten aus einem Buch und wirft sie ins Feuer.

Bauer ist nach der knapp 40-minütigen Performance außer Atem. „Das war körperlich anstrengend“, sagt er. Zufrieden mit der Aktion ist er allemal: „Als wir das Projekt 2015 entwickelt haben, war klar, dass es nicht nur ein Bild auf einem Acker sein sollte.“ Wir, das sind Bauer und seine vielen Helfer.

Den Widerstand gegen die Reformation in all ihren Facetten darzustellen war schweißtreibend für den Künstler.

Nun folge der Abschluss dieses Projekts: Am Reformationstag, dem 31. Oktober, soll erneut ein grüner Laserstrahl von der Hohenburg auf das „vernarbte“ und bis dahin natürlich verwachsene Porträt erstrahlen.

Quelle: HNA

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