Homberger Kreissparkasse zeigt Ausstellung zum Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie Höxter

Sie landeten in der Hölle

Homberg. Das Ende eines großen Homberger Kaufhauses lässt sich genau datieren: Am 23. März 1942 wurde die Textilfirma Isaak Höxter OHG aus dem Handelsregister gelöscht. Das Haus hatte das Bild der Drehscheibe entscheidend geprägt. Seit einem großen Umbau im Jahr 1927 galt das Textilgeschäft als eines der modernsten und umsatzstärksten im Kreis Homberg.

Doch die Erfolgsgeschichte der Familie Höxter fand unter den Nationalsozialisten ein grausiges Ende: Sie wurden von Hitlers Schergen verhaftet, gefoltert, deportiert und ermordet.

Dabei hatten sich die Höxters nichts zuschulden kommen lassen: Ihnen wurde zum Verhängnis, dass sie deutsche Bürger jüdischen Glaubens waren. Firmengründer Isaak Höxter (1847-1917) war 1878 nach Homberg gezogen. Er eröffnete ein Kaufhaus, das er 1908 seinen Söhnen Robert (1875 -1942) und Julius (1878 - 1938) übergab. Sie betrieben es mit ihren Ehefrauen Selma (1881 - 1942) und Paulina (1883 - 1964) sehr erfolgreich. Bis die Nazis kamen.

Nach Hitlers Machtübernahme wurde das Leben der Höxters immer schwieriger. Sie wurden anfangs massiv diskriminiert und angefeindet und am Ende enteignet. Ihr kompletter Besitz wurde öffentlich versteigert, das Haus an der Drehscheibe abgerissen.

Zuvor musste die Familie unvorstellbares Leid und Elend ertragen: Julius Höxter wurde 1936/1937 verhaftet und gefoltert. Sein Bruder Robert und dessen Frau Selma Höxter wurden 1941 deportiert und 1942 in Litzmann-stadt ermordet. Nur ihren Kindern Herbert und Beate und Helmut gelang unter teils spektakulären Umständen die Flucht in die USA, wo sie zum Teil unter schwierigsten Umständen bis zu ihrem Tod lebten. Vor wenigen Jahren stellten Homberger den Kontakt zu Sandra Höxter her. Die 1943 geborene Tochter von Herbert Höxter ist damit die Enkelin des ermordeten Homberger Paares Selma und Robert Höxter.

Aus dem Kontakt zu Sandra Höxter, der letzten Nachfahrin der verfolgten und ermordeten Homberger, entstand der Gedanke, das Familienschicksal in einer Ausstellung aufzuarbeiten.

Viele Exponate

Die Exponate sind bunt und vielfältig: Es sind Fotografien, Kreisblattanzeigen, alte Rechnungen, Original-Wäsche aus dem Kaufhaus Höxter und ein Conto-Buch von 1919 bis 1931 zu sehen.

Ergreifend auch die 43 Briefe von Selma und Robert Höxter aus dem Lager, die sich alle 14 Tage eine Seite teilten, um an ihre Kinder zu schreiben.

Sandra Höxter aus Washington D.C. ist bei der Ausstellungseröffnung (Freitag, 9. November, ab 19 Uhr) Ehrengast.

Christiane Fäcke und Sandra Höxter haben die Ausstellung organisiert. Auch die Schüler der AG „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ der THS haben daran mitgearbeitet.

Es gibt auch einen 120-seitigen Katalog, den der Zweigverein Homberg im Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde mitfinanziert und herausgegeben hat.

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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