Ende einer Tradition

Landgasthaus Hessenland in Verna hat nach 32 Jahren den Betrieb eingestellt

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Hätten gerne weiter gemacht: Christa und Otto Albert vom Landgasthaus Hessenland haben den Betrieb nach 32 Jahren eingestellt.

Verna. Aus einer Bierlaune heraus entstanden war das Gasthaus über Jahrzehnte die Heimat der Familie Albert. Jetzt klebt in rotes „Zu Verkaufen"-Plakat an der Scheibe der geschlossenen Metzgerei in Verna.

In der Nähe ist eine Baustelle, Hunde kläffen am Ende der Straße. Und Christa Albert kommt die Treppe von ihrem Wohnhaus runter und schließt die Tür zur Metzgerei auf.

„Das war sie mal“, sagt die 69-Jährige. Geschlossen vor vier Jahren. Die haben sie zuerst aufgegeben. Jetzt das Landgasthaus. Nach 32 Jahren. Christa Albert führt durch die verlassenen Räume der Metzgerei. Knochensäge, Fleischwolf, Kühlraum. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Neben der Eingangstür steht das obligatorische Schwein mit einer Tafel in der Hand. 

Es geht die Treppen hoch zum Landgasthaus Hessenland. Alberts Gastraum sieht so aus, wie ein üblicher Gastraum vor 30 Jahren aussah. Ein Tresen, abgenutzte hölzerne Hocker, handgedrechselte Tische und Stühle, vor den Fenstern Spitzgardinen. An den Decken Glaslampen, die über den Tischen hängen und einzeln angeschaltet werden können, die Galerie von Schnapsflaschen, Bilder aus vergangenen Tagen an den Wänden.

Das Gasthaus ist die Heimat der Familie Albert, ihre Welt seit mehr als 30 Jahren. „Seit 32 Jahren, um genau zu sein“, sagt Christa Albert. Seit 1986. Aus einer Bierlaune heraus nahm die Idee eines Gasthauses immer weitere Formen an. Bürgerliche Küche, faire Preise, familiäre Atmosphäre. „Ein Bier schmeckt in geselliger Runde einfach am besten“, sagt Otto Albert. Er ist zum Gespräch dazugekommen. Mit dichten Schnauzbart, einem blauen T-Shirt der Marke Fila, hält er eine Schachtel West in der Hand, von denen er sich auch gleich eine anzündet.

Ein Wort hört man öfter, wenn man sich mit Alberts über das Landgasthaus unterhält. Es lautet „früher“. Früher war mehr los, früher hat man noch miteinander geredet, früher wurde im Saal bei Alberts hart getrunken und getanzt, bis die Sonne aufging und die ersten in den Stall mussten, Kühe melken. Früher war ja immer alles besser, aber im Fall von Alberts stimmt das vielleicht wirklich.

Spanferkel vom Grill und Schnitzeltag. Einige besondere Aktionen, zu denen immer viele gekommen sind und etliche Kilometer auf sich genommen haben. Stammkunden aus Wuppertal und dem Frankfurter Raum. Camper vom Frielendorfer Campingplatz kommen seit 15 Jahren.

Feste, Geschichten, lustige aber auch traurige. Aus Gästen wurden Freunde. „Ich hätte ein Buch schreiben sollen“, sagt der 72-Jährige und lacht. Für die Alberts ist das Gasthaus alles. „Natürlich ist das nicht einfach, wenn man seinen Beruf gerne macht und dann schließen muss“, sagt Christa Albert. Irgendwann siegt halt die Vernunft. Wie so oft im Leben. Gestiegene Betriebskosten, generell rückläufige Umsätze und vor einigen Jahren das Rauchverbot. Es gab viele Faktoren.

Der Hauptgrund ist aber die Gesundheit. Christa Albert, die jahrzehntelang die Küche führte, ist inzwischen so gehandicapt, dass es nicht mehr möglich ist, den Betrieb am laufen zu halten. Und der Gasthof? „Den bauen wir vielleicht zu einem altersgerechten Wohnsitz um und verkaufen unser Wohnhaus, wenn es klappt“, sagt Otto Albert. Ihren Optimismus haben sie nicht verloren. „Wir werden ja schließlich alle älter“, sagt Christa Albert und lacht.

Landgasthaus öffnet nur noch an drei Tagen

Am 31. März war für die Alberts Stichtag. Damals öffneten sie die Türen ein letztes mal zur Abschiedsparty. Seitdem haben sie nur noch an drei Tagen in der Woche offen. Donnerstags, freitags und sonntags, ab 17.30 Uhr. Allerdings nur den Thekenbereich. Die Küche ist geschlossen. Und am 8. Juni wollen sie noch mal einen Schnitzelabend veranstalten. Gäste sind gebeten sich telefonisch anzumelden unter Tel. 05684/486.

Quelle: HNA

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