Lesekenntnisse niedriger als im Alltag erforderlich

Im Landkreis leben 20 000 Analphabeten

Wolfhager Land. Lesen und Schreiben zu können ist für die meisten Menschen konfliktfreie Normalität. Für etwa acht bis zehn Prozent der Menschen im Landkreis Kassel (20 000 Personen) sieht das anders aus. Sie sind Analphabeten.

Die von Thomas Ewald, Bereichsleiter bei der Volkshochschule (vhs) Region Kassel, benannte Quote orientiert sich an den Zahlen für Deutschland. Bundesweit sollen es nach einer Studie der Uni Hamburg 7,5 Millionen Erwachsene sein, die einfache Texte nicht lesen oder schreiben können.

Die vhs bietet seit mehr als 30 Jahren Kurse für Analphabeten an. In den vergangenen sieben Jahren hätten etwa 250 Menschen einen Lehrgang gebucht, sagt Ewald, der seit einiger Zeit allerdings einen negativen Trend beobachtet. Die Bereitschaft, etwas gegen den Analphabetismus tun zu wollen, sei zurückgegangen.

Erwachsene, die sich für einen der vhs-Kurse entscheiden, kämen aus freien Stücken oder sie werden vom Arbeitgeber und Bekannten geschickt. Da der Grad der sozialen Integration gesunken sei, Analphabeten zunehmend in die Arbeitslosigkeit abdrifteten, fehle auch der Anschub aus dem sozialen Umfeld. Für die Zukunft zeichnet Ewald ein unterschiedliches Bild: Einerseits glaubt er, dass die Zahl der Analphabeten zurückgehen wird. Gleichzeitig werden die Betroffenen stärker ausgegrenzt, weil für sie mit zunehmender sozialer Härte der Zugang zu Bildungsangeboten erschwert werde.

Viele der funktionalen Analphabeten im Landkreis haben eine Schule besucht, einen Hauptschulabschluss aber haben die wenigsten. Funktionale Analphabeten können zwar Buchstaben erkennen, ihren Namen und einzelne Wörter schreiben, den Sinn von Texten aber nicht verstehen. Ewald geht davon aus, dass etwa die Hälfte von der Betroffen im Kreis einen Job hat. Der Anteil der Migranten liegt bei 15 Prozent.

Quelle: HNA

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