Lesekenntnisse sind niedriger als im Alltag erforderlich

Im Landkreis leben fast 13 000 Analphabeten

Schwalm-Eder. Was vielen nicht bewusst ist: Auch im Schwalm-Eder-Kreis ist Analphabetismus ein Thema. Nach einer Studie des Statistischen Landesamtes leben im Landkreis 12 753 Menschen, die sogenannte funktionale Analphabeten sind. Somit ist rechnerisch jeder 14. im Landkreis ein Analphabet.

Deren Schreib- und Lesekenntnisse sind niedriger als im Alltag erforderlich. „Etwa auf Grundschulniveau“, erklärt Hille Hobbiebrunken-Oltmer von der Volkshochschule (VHS) des Schwalm-Eder-Kreises.

Deutschlandweit gebe es 7,5 Millionen Analphabeten. „Das sind 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren“, erklärt sie. 80 Prozent von ihnen haben einen Schulabschluss, 12 Prozent sogar einen höheren Bildungsabschluss und 50 Prozent von ihnen gingen einer Arbeit nach.

„Es ist ein Thema, das Menschen aus allen Schichten betrifft“, betont Erika Koch vom Hessencampus Schwalm-Eder. Es sei erschreckend, dass viele glaubten, funktionale Analphabeten seien nur Menschen mit Migrationshintergrund. „Das ist ein Vorurteil.“ Für die meisten Betroffenen sei vielmehr Deutsch die Erstsprache.

Seit über 15 Jahren bietet die VHS Kurse für Analphabeten an. In dieser Zeit wurde 150 Menschen Lesen und Schreiben beigebracht. „Das ist eine beachtliche Zahl, es könnten aber mehr sein“, sagt Hobbiebrunken-Oltmer. Wichtig sei, den Betroffenen klar zu machen, dass sie es lernen können. „Wir wollen, dass Analphabetismus kein Tabu mehr ist und Betroffene aus ihrer Ecke holen. Sie sind keine dummen Menschen“, so Karin Gillung vom Hessencampus-Team. Wichtig sei, dass man Analphabeten erkenne. „Viele haben Ausreden parat. Mal haben sie die Brille vergessen, mal bitten sie jemanden, etwas schnell für sie auszufüllen.“ Wer sie dabei unterstütze, sei keine Hilfe, sondern eher das Gegenteil.

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Z UM TAGE/ 2. LOKALSEITE

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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