Kunstbetrachtungen: Konrad Nachtwey eröffnet neue Reihe im Museum der Schwalm

Vom Landleben inspiriert

Abendmahl am Schönberg: Kunsthistoriker Konrad Nachtwey aus Kassel kam unter anderem über dieses Gemälde von Karl Mons mit den Gästen in ein lebhaftes Gespräch. Foto: Rose

Ziegenhain. Kunst kennt keine Langeweile: Das ist das Motto von Konrad Nachtwey. Über Langweile dürfte sich am Donnerstagabend tatsächlich keiner der Gäste im Museum der Schwalm beklagt haben. Der Kasseler Kunsthistoriker eröffnete die neue Reihe der Kunstbetrachtungen, die künftig im Wechsel mit den Schwälmer Museums-Gesprächen stattfinden. Organisiert und unterstützt werden die Abende von der Kreissparkasse und dem Schwälmer Heimatbund. Zum Auftakt rückte Nachtwey die Maler der Willingshäuser Malerkolonie und deren Werke in den Mittelpunkt seines Vortrages.

Ungewöhnlich war schon die Begrüßung: Der Kunsthistoriker unterhielt seine Zuhörer zunächst mit einem Zaubertrick. Dabei verwandelte der Experte drei Seile in eines und stellte damit die perfekte Verbindung zwischen dem Heimatbund, dem Museum und dem neugierigen Publikum her. „Damit ziehen wir jetzt quasi alle am selben Strang.“ Dass das Museum einiges zu bieten hat, bewies die Auswahl der Werke. Neben Bantzer hinterließen auch Künstler wie Volkmann, Burek, Knauf, Lins und Mons ihre unverwechselbaren Spuren in der Schwalm. „Von Burek stammt etwa das Logo auf dem Schwälmer Jahrbuch“, erläuterte Nachtwey. Zwar habe Burek zur neueren Gruppe gehört: „Aber in seinen Linolschnitten verbindet er kubistische Formen mit Motiven aus der Zeit der Malerkolonie.“

Beliebt waren Genre-Szenen

Deutliche Einflüsse anderer Kolonien seien auch in Willingshausen spürbar gewesen. Volkmann habe sich von dem englischen Maler Hogarth, einem bekannten Verfechter des Impressionismus, inspirieren lassen. Trends hätten sich in Windeseile verbreitet. „Da gab es etwa die Malschule der Utrechter Carravagisten, die einfache Leute in die Bilder brachte“, erklärte der Experte. Diese Genre-Szenen entstanden auch in der Schwalm. „Was die Maler anzog, war die einfache Bevölkerung in ihrer sehr auffälligen Tracht“, sagte Nachtwey. Dabei lebten die Bilder nicht von der Inszenierung, sondern vom Leben, wie es tatsächlich war. Neben den Genre-Szenen rückten Volkmann und Bantzer aber auch die Schwälmer Landschaft stärker in den Fokus.

Ein Abendmahl in der Kapelle am Schönberg war Vorlage für Karl Mons gleichnamiges Werk aus dem Jahr 1918: Besonders seien hier die sogenannten Totenkronen aus buntem Papier, die man für jung Verstorbene anfertigte, erläuterte Nachtwey. Bei religiösen Szenen bedienten sich die Maler oft einer Zahlensymbolik. Die zwölf Männer um den Altar erinnerten an die zwölf Apostel. Dabei kamen die Gäste gern mit dem Experten ins Gespräch: Gerhard Stübing aus Ziegenhain erklärte, wie das Abendmahl in der reformierten Kirche gefeiert wird. Und Vogelkundler Heinz Stübing komplettierte Nachtweys Erklärungen zu Volkmanns Werk „Landschaft an der Antreff“ mit spannenden Details über den in der Schwalm immer noch häufig vorkommenden Eisvogel.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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