Keine Stilllegungen

Landrat zu heftiger Kritik an Schulbussen: „Mängel nur in einem Fall gravierend“

Schwalm-Eder. Die Nachricht hatte Mitte November die Öffentlichkeit geschockt: Fast die Hälfte von 33 Bussen der Nahverkehr Schwalm-Eder (NSE), die Anfang September unangekündigt von der Polizei kontrolliert worden waren, habe teils erhebliche Mängel aufgewiesen.

Drei Busse seien deswegen sogar sofort stillgelegt worden, hieß es damals.

Inzwischen sind der Landkreis und der NSE diesen Vorwürfen detailliert nachgegangen und haben die für sie fahrenden Unternehmen um Stellungnahmen gebeten. Das Ergebnis sehe, so Landrat Frank-Martin Neupärtl gegenüber der HNA, ganz anders aus als die damalige Horror-Meldung.

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Zunächst einmal betonte Neupärtl: „Bei keinem der Fahrzeuge wurden Mängel festgestellt, die dazu führten, dass das Fahrzeug völlig aus dem Verkehr gezogen wurde.“ Bei drei Bussen habe die Polizei zunächst die Weiterfahrt untersagt und eine technische Überprüfung beim TÜV angeordnet. Echte sicherheitsrelevante Mängel, so sei nach genauer technischer Kontrolle festgestellt worden, hätten sich jedoch dabei nicht nachweisen lassen.

Für den Landkreis sei es selbstverständlich, dass die Busse in jeder Beziehung sicher sein müssten, sagte der Landrat. Man zahle dafür gutes Geld an die jeweiligen Unternehmen und könne dafür entsprechende Leistungen erwarten.

Auch unangekündigte Kontrollen der Polizei seien wichtig und unverzichtbar. Neupärtl kündigte an, dass der Nahverkehr Schwalm-Eder zudem eine Stelle schaffen werde für einen Kontrolleur, der regelmäßig per Sichtkontrolle den Fahrzeugzustand überprüfen soll.

Was die von der Polizei genannten Mängel angehe, so müsse man allerdings einen genaueren Blick darauf werfen, sagte der Landrat. „Überwiegend gab es bei den elf Bussen keine gravierenden Mängel“, so seine Bewertung.

Hintergrund: Polizei geht auf Nummer sicher

Es war die erste umfangreiche, nicht angekündigte Kontrolle der im Landkreis eingesetzten Schulbusse, die Anfang September vom Verkehrsdienst der Polizei Schwalm-Eder angesetzt worden war. Beamte des Verkehrsdienstes bewerteten die Fahrzeuge nach Augenschein und kontrollierten deren Ausrüstung, so Polizeisprecher Reinhard Giesa. Bei drei der elf bemängelten Busse habe man so schwere Mängel erkannt, dass die Weiterfahrt untersagt worden sei. „Wir müssen auf Nummer sicher gehen“, betont Giesa, wenn etwa Bremsen oder Reifen nicht in Ordnung zu sein scheinen. Eine genauere technische Überprüfung folge erst später bei TÜV oder Dekra. (ula)

Landkreis und Busunternehmen: Dekra-Prüfer kamen zu ganz anderen Ergebnissen

Schwalm-Eder. Wenn von „teilweise erheblichen Mängeln“ bei den im Schulbusverkehr fahrenden Bussen im Landkreis die Rede gewesen sei nach der Kontrolle durch die Polizei, dann müsse man schon mal genauer schauen, was das im Detail bedeute. Das sagte Landrat Neupärtl in einem Gespräch mit der HNA.

Tatsächlich seien diese so genannten Mängellisten eher „Prüfbemerkungen“ gewesen, ergänzte Mike Stämmler, Geschäftsführer der Nahverkehr Schwalm-Eder (NSE).

Im Einzelnen habe es sich mehrfach um fehlende Nothämmer gehandelt, die offenbar geklaut worden seien, um defekte Birnen bei der Kennzeichenbeleuchtung, um nicht vorhandene Linienfahrpläne und fehlende Hinweise auf Notausstiege. Zwei der bemängelten Busse seien zudem gar nicht für den NSE im Einsatz gewesen: Einer stand auf einem Betriebshof, bei einem anderen wurde festgestellt, dass es sich um ein anderes Fahrzeug mit Fahrer handelte – das Unternehmen habe beide lediglich ausgetauscht.

Die betroffenen Busunternehmen hätten, so der Landrat, ihre in die Kritik geratenen Fahrzeuge, bei denen es laut Polizeikontrolle um defekte Bremsanlagen, rostigen Unterboden, undichte Schläuche, poröse Reifen und ähnlich gravierende Mängel ging, kurze Zeit später einer Überprüfung durch Experten der Dekra unterzogen. In nahezu allen Fällen habe diese Nachprüfung keinerlei sicherheitsrelevante Mängel ergeben, so Neupärtl. Dabei hätten die Dekra-Prüfer bestätigt, dass an den Bussen zuvor nichts verändert worden sei seit den Kontrollen.

„Die von uns beschäftigten Busunternehmen müssen für die Verkehrssicherheit ihrer Fahrzeuge sorgen“, betonte der Landrat. Das sei unbestritten. Die Ergebnisse der Polizeikontrollen seien jedoch angesichts der Aktenlage in einem anderen Licht zu sehen. Keinem der Busunternehmen werde man kündigen, dafür gebe es keinen Anlass. Die 33 kontrollierten Busse seien bis auf einen in Schuss gewesen und hätten keine Mängel gehabt, die die Sicherheit der Fahrgäste beeinträchtigt hätten. Das habe die von der Polizei angeordnete technische Überprüfung ergeben.

Einen einzigen relevanten Verstoß gegen Sicherheitsbestimmungen habe es in einem Kleinbus gegeben: Dort fehlten zwei Gurtschnallen, die Gurte waren nur zusammengeknotet worden. „Das geht nicht, dieses Unternehmen hat eine Abmahnung bekommen“, sagt Stämmler. Sollte es erneut zu Mängeln kommen, werde man ihm kündigen. (ula)

Quelle: HNA

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