Landwirt aus Altenstädt baut seltenen Backmohn an

+
Kurz vor der Ernte: Der Feuchtigkeitsanteil des Mohns in den Kapseln darf nicht über acht Prozent liegen. Nur dann ist der Samen lagerfähig. Landwirt Lars Homburg baut seit drei Jahren Backmohn an. Im Hintergrund ist Altenstädt zu sehen.

Altenstädt. Landwirt Lars Homburg erntet in wenigen Tagen die nur selten angebaute Feldfrucht im Landkreis Kassel. Er ist der einzige im Landkreis, der hierfür von der Bundesopiumstelle in Bonn eine Genehmigung erhalten hat.

Lars Homberg aus Altenstädt hat einen Hang zum Außergewöhnlichen. Neben Mais, Zuckerrüben, Weizen und Gerste baut der studierte Landwirt Exoten wie Ackerbohnen, Sommergerste, Backmohn und ab dem nächsten Jahr auch Dinkel an. Gerade beim Mohn ist er einer der wenigen Landwirte in Nordhessen und im Landkreis Kassel der einzige, der hierfür von der Bundesopiumstelle in Bonn eine Genehmigung erhalten hat.

Dabei hat die Züchtung, die der Altenstädter aufs Feld bringt, gar keine berauschende Wirkung. Homburg hat es ausnahmslos auf die blaue Saat abgesehen, mit der er Bäckereien, gehobene gastronomische Betriebe und Eisdielen in Hessen und Nordrhein-Westfalen in einem Umkreis von 300 Kilometern beliefert. Und weil er vor drei Jahren mit dem Anbau von Backmohn Neuland betreten hat, hat er auch bei der Erarbeitung seiner Kundschaft bei null angefangen. „Ich musste mir den Markt erst aufbauen“, sagt der 39-Jährige.

Blau und aromatisch: Der Mohn auf dem Feld bei Altenstädt ist reif.

In den kommenden Tagen will der Landwirt das Feld ernten. Der Feuchtigkeitsgehalt des Mohns darf nicht über acht Prozent liegen. Ist er zu feucht, muss der Samen vor der Lagerung noch getrocknet werden, was die Betriebskosten in die Höhe treiben würde. Das Dreschen des 3,5 Hektar großen Feldes dauert nicht länger als anderthalb Stunden. Auf den Mähdrescher wird ein verlängerter Schneidwerktisch aufgesetzt und die knapp mannshohen Pflanzen werden bodennah abgetrennt. In der Maschine wird der Samen gedroschen. Weil die Saat aber so winzig ist, werden die sonst üblichen Siebe komplett geschlossen und die Lüftung ausgeschaltet. „Der Mohn landet im Korntank, der Rest der Pflanze wird gehäckselt und auf dem Feld verteilt“, sagt der Landwirt. Noch auf dem Acker wird die Ernte in luftdurchlässige Gewebesäcke umgefüllt, „der Mohn muss atmen können“.

Ein Kilo für einen Hektar 

Ernte mit Mähdrescher: Heute oder an einem der kommenden Tage will Lars Homberg den Mohn vom Feld holen.

Drei bis dreieinhalb Tonnen Backmohn hofft Homburg, an einem der kommenden Tage vom Feld zu holen. Eine ungeheure Menge, wenn man berücksichtigt, dass er im März gerade mal 3,5 Kilo Mohn ausgesät hat. Die Aussaat ist Präzisionsarbeit. Der 39-Jährige behilft sich dabei eines Tricks. Da die Sämaschine mit einer Befüllmenge von zwei Kilogramm effektiver arbeitet, mischt er dem keimfähigen Mohn noch ein Kilo Mohn bei, den er zuvor im heißen Backofen abgetötet hat.

Nach der Ernte wird der Backmohn in Tüten gefüllt. Hierbei unterstützt ihn seine Frau Ursula. Ist alles verpackt, wird die Fracht an die Kunden ausgeliefert. Das Ehepaar tüftelt bereits an einer neuen Vermarktungsidee. Es denkt darüber nach, einen Teil seiner Ernte an eine Ölmühle zu geben, die die Saat presst und zu einem Mohnöl verarbeitet, das wegen seiner ungesättigten Fettsäuren sehr wertvoll und edel ist.

Von Antje Thon 

HINTERGRUND

Der Samen des Schlafmohns kann als Nahrungsmittel sowie zur Ölgewinnung verwendet werden. Die Pflanze führt außerdem einen Milchsaft, welcher in getrockneter Form Opium genannt wird. Es existieren zahlreiche Zuchtsorten, die sich unter anderem durch Gehalt und Zusammensetzung der Alkaloide unterscheiden. Die ölhaltigen, nussig duftenden Samen des Schlafmohns werden als Lebensmittel verwendet. Ihr Morphingehalt ist in der Regel gering und gesundheitlich unbedenklich. (ant)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare