Immer mehr verwilderte Tiere

Landwirt wollte vier Katzen ertränken

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Nur knapp dem Tod entgangen: Der kleine Kater Patric sollte zusammen mit seinen drei Geschwistern ertränkt werden. Derzeit kümmert sich Jutta Dippel um das Tier.

Guxhagen/Beuern. Der kleine Kater Patric ist nur knapp einem grausamen Schicksal entgangen: Er und seine drei Geschwister sollten ertränkt werden. Denn Patrics Mutter ist eine Bauernhofkatze, und der Landwirt wollte den Nachwuchs nicht.

Doch Jutta Dippel, zweite Vorsitzende der Katzenhilfe Guxhagen, holte die Jungtiere ab und bewahrte sie so vor dem Tod. Immer mehr solcher Bauernhof- und verwilderter Katzen müssen die Tierschutzorganisationen in der Region aufnehmen.

"In diesem Jahr hat sich die Zahl der verwilderten Katzen sehr gesteigert", sagt Dippel. Auch in Gegenden, in denen die Katzenhilfe bereits für Kastrationen gesorgt hatte und hoffte, das Problem so in den Griff zu bekommen, seien wieder verstärkt Katzengeburten zu beobachten.

Kastrationspflicht gefordert

Das sei zum einen lästig für die Menschen, die sich über zerwühlte Blumenbeete und Katzenkot auf dem Rasen beklagen. Zum anderen sei es eine Gefahr für die Tiere: "Krankheiten übertragen sich schneller", sagt Dippel.

Gerade auf Bauernhöfen lebten häufig unkastrierte Katzen, die sich rasch vermehrten. Die Kastration sei vielen Landwirten zu teuer, erklärt Dippel. Um die 100 Euro koste der Eingriff einer Katze, bei Katern sei es billiger. "Die Tierschutzvereine können diese Kosten auf Dauer auch nicht alleine tragen", sagt Dippel.

Aus Sicht von Dieter Büchling, Vorsitzender der Guxhagener Katzenhilfe, müsste deshalb im Schwalm-Eder-Kreis eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen eingeführt werden. "Wer eine Katze füttert, ist verantwortlich für das Tier", sagt er.

Doch diese Verantwortung bleibt letztlich meist an den Tierschützern hängen. Das macht sich auch im Tierheim Beuern bemerkbar. Dort werden derzeit zehn bis 15 verwilderte Katzen versorgt, berichtet Tierpflegerin Nicole Reubert. Sie werden dort kastriert und nach einer Weile wieder in die Freiheit entlassen.

Tiere sind meist sehr scheu

Das sei aber gar nicht so einfach, sagt Tierpflegerin Reubert: "Früher hatten wir häufiger die Möglichkeit, die Tiere dort wieder auszusetzen, wo sie gefunden wurden." Doch inzwischen ist das oft nicht möglich - etwa, weil die Tiere dort nicht gefüttert und versorgt werden oder weil sie vorher an viel befahrenen Straßen oder in Lagerräumen von Firmen gelebt haben. "Man kann Katzen nicht einfach irgendwo rausschmeißen", sagt Reubert. Die Tiere kämen in einer gewohnten Umgebung besser zurecht, und seien meist darauf angewiesen, gefüttert zu werden.

An Katzenhalter vermitteln könne man die verwilderten Tiere aber auch nicht, weil sie zu scheu seien, erklärt Jutta Dippel: "Die meisten Leute wollen ja eine Katze, die zahm ist und sich streicheln lässt."

Von Judith Féaux de Lacroix und Christl Eberlein

Quelle: HNA

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