Landwirte bearbeiten Grünflächen früher: Mehr Kitze sterben den Mähtod

+
Grausiger Anblick: Dem Kitz wurden auf einer Wiese bei Naumburg alle vier Gliedmaßen abgetrennt. Foto: Müller

Naumburg/Zierenberg. Ein grausiger Anblick bot sich Spaziergängern in diesen Tagen auf einer Wiese in der Naumburger Gemarkung: Ein kleines Rehkitz lag mit vier blutigen Beinstümpfen auf der abgemähten Fläche.

Die Ricke drehte immer wieder Runden um ihr totes Junges, das wie viele Kitze derzeit dem Mähtod zum Opfer gefallen war. Es muss elend gelitten haben, bevor der Tod es erlöste.

„Manchmal quälen sich die Tiere tagelang mit abgetrennten Gliedmaßen, sagt Britta Hartmann-Barth vom Kreisjagdverein Wolfhagen. Jäger und auch Bauernverband appellieren jedes Jahr an die Landwirte, vor dem Mähen der Wiesen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, die verhindern sollen, dass Wildtiere schwer verletzt oder getötet werden.

Problem in diesem Jahr: Die Vegetation ist ihrer Zeit weit voraus. „Das Gras wird früher gemäht, und die Kitze sind noch klein“, erklärt Hartmann-Barth. Die Kleinen seien in einer Phase, in der der Duckreflex noch voll ausgeprägt sei. Sie laufen nicht weg. Deshalb erwische es in diesem Jahr besonders viele Kitze und Bodenbrüter.

Sie stellt klar, dass Landwirte, die das Sterben der Wildtiere mutwillig in Kauf nehmen, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Doppelt schlimm ist, wenn der Landwirt ein verletztes Tier einfach liegen lässt. „Es muss unverzüglich der Jäger verständigt werden, damit das Kitz tierschutzgerecht getötet wird“, so die Breunaerin. Da das Wildtier vor Menschen panische Angst habe, sei ein Einschläfern für das Kitz mit weiteren Qualen verbunden und damit keine Option. „Wir setzen auf Kooperation mit den Landwirten“, sagt sie. So bieten die Jäger den Bauern kostenlos an, die Wiese vor dem Mähen mit einem Hund abzugehen.

Die Position des Veterinäramtes in dieser Frage ist eindeutig: „Die Landwirte haben alle Vorsichtsmaßnahmen vor der Mahd zu ergreifen, um den Tod von Wildtieren zu verhindern“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises. Es gebe inzwischen genug Urteile, bei denen Landwirte zu empfindlichen Strafen verurteilt worden seien.

Mit Luftballons und Warnsignalen gegen den Mähtod: Der Zierenberger Jäger und Landwirt Horst Fröhlich hat einiges ausprobiert, um die Kitze zu schützen. Foto: Ricken

Franziska Wollandt vom Bauernverband bedauert den Vorfall in Naumburg. Sie sieht jedoch trotz Vorsichtsmaßnahmen keinen hundertprozentigen Schutz für Kitze. Auch sie bestätigt, dass die Wiesen zum Teil drei Wochen früher als sonst gemäht würden. Bauernverband, Veterinäramt und Jäger empfehlen verschiedene Maßnahmen, um die Wildtiere zu schützen. So zum Beispiel das Feld von innen nach außen zu mähen, damit die Ricke Gelegenheit hat, ihren Nachwuchs aus der Wiese zu holen, oder die Anbringung eines Wildretters am Mähwerk.

Der Zierenberger Horst Fröhlich, Landwirt und gleichzeitig Jäger, hat diverse Methoden ausprobiert und getestet. So zum Beispiel das Absuchen der Wiese mit einer Wärmebildkamera, das Aufstellen einer Art Vogelscheuche, bunte Luftballons, Radiomusik und natürlich das Mähen von innen und das Absuchen der Wiese.

Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sei es ihm schon passiert, dass ein Kitz ins Mähwerk geraten sei. Dennoch, so sagt auch Fröhlich, der Landwirt muss wirklich alles versuchen um zu verhindern, dass Tiere durchs Mähen zu Tode kommen.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare