Hannelore Schmidt und Horst Rösner pilgerten fast 900 Kilometer gemeinsam

Der lange Weg zueinander

Erinnerungen an den Jakobsweg: Hannelore Schmidt und und Horst Rösner sind gemeinsam 895 Kilometer gelaufen und zehren bis heute davon. Foto: Dellit

Fritzlar/Niedenstein. Für Horst Rösner begann der lange Weg nach Santiago de Compostela in seiner Wohnung in Fritzlar. Am Ziel lag nicht nur der spanische Wallfahrtsort, sondern vor allem ein neues Leben.

Sein altes Leben in Homberg-Mühlhausen endete im Jahr 2000 voller Schmerzen. Rösners Lebensgefährtin starb ganz plötzlich. Er zog nach Fritzlar in eine Wohnung, in der er schon einmal gelebt hatte und nahm sich vor, auf den Jakobsweg – den berühmten Pilgerpfad – zu gehen. Per Aushang im Fitnessstudio suchte er eine Begleitung. Ohne Erfolg.

Frau Schmidt blieb da

Dann besuchte ihn die Vormieterin Angelika Heckeroth, um einer Bekannten ihre ehemalige Wohnung zu zeigen. Diese Bekannte war Hannelore Schmidt aus Niedenstein. Heckeroth verabschiedete sich wieder. „Die Frau Schmidt hat sie einfach dagelassen“, erinnert sich Rösner.

Die beiden entdeckten Gemeinsamkeiten. Die Niedensteinerin hatte einige Jahre zuvor ihren Lebensgefährten verloren, und sie wollte auch den Jakobsweg gehen. Einige Zeit zuvor war die heute 66-Jährige eine Steintreppe herab gestürzt. Davon hatte sie ein 18 Zentimeter lange Platzwunde davon getragen. Sie wollte den alten Pilgerweg aus Dankbarkeit gehen, sagt sie.

Der Weg. Für Schmidt und Rösner bedeutete das 895 Kilometer vom französischen Saint-Jean-Pied-de-Port bis ins spanische Santiago de Compostela. 60 Tage zu Fuß in Etappen bis zu 30 Kilometern Länge, Übernachtungen in Pilgerunterkünften mit bis zu 100 Betten.

Die Begegnungen mit anderen Läufern aus aller Welt sei besonders spannend gewesen, sagen beide. Gerne erinnern sie sich an den französischen Pilger, der mit einem Esel unterwegs war und den sie viele Wochen nach dem ersten Treffen wiedersahen.

Gott ein bisschen näher

Man müsse gut trainiert sein, sagt Rösner, und Schmidt pflichtet ihm bei. Doch um den Sport ging es auf dem Jakobsweg nicht. Die Vergangenheit verarbeiten und sich als Partner zu finden, sei ihr Ziel gewesen, sagt der 75-jährige Rösner. Und er fügt hinzu: „Ich bin Gott vielleicht ein bisschen näher gekommen.“ ARTIKEL RECHTS

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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