"Es wird Konflikte geben"

Radschnellweg nach Darmstadt: Probleme am Langener Bahnhof

Geteilter Raum: Am Bahnhof werden die Radschnellweg-Radler auf Fußgänger und Busse treffen. Foto: Marc Strohfeldt

Die Planung des Radschnellweges zwischen Darmstadt und Langen schreitet voran. Am Langener Bahnhof ist allerdings Ärger vorprogrammiert.

Langen - Wer noch nie auf dem ersten Stück der Radschnellverbindung zwischen Egelsbach und Wixhausen unterwegs war, der weiß gar nicht, wie komfortabel Radfahren sein kann. Der Weg wird bis Darmstadt sowie bis Frankfurt verlängert und führt somit bekanntermaßen bald auch durch Langen - auf der Ostseite entlang der Bahnlinie (siehe Kasten).

Eine problematische Stelle dabei ist der Bereich des Bahnhofs. Nun zeichnet sich ab, dass die Raddirektverbindung dort eine kurze "Auszeit" nimmt: Vor dem Bahnhofsgebäude soll die Shared-Space-Fläche ("Geteilter Raum"), auf der alle erlaubten Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt unterwegs sind, beibehalten werden. Unumstritten ist das aber nicht.

Von Süden her wird der Radschnellweg* über die Bahnhofsanlage führen, die zur Fahrradstraße werden soll. Nach Norden geht es auf der Westseite der Liebigstraße auf einem vier Meter breiten Zweirichtungsradweg. Bleibt der Bereich zwischen Bahnhofsgebäude, Treppenabgang zu den Mittelbahnsteigen und Europaplatz/Bushaltestellen. Auf dieser gepflasterten Fläche treffen schon heute Fußgänger, Radler und Busse aufeinander. Und so soll es nach dem Gesamtkonzept zur Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes auch zukünftig sein.

Bahnhof Langen: Radschnellweg wird zu Konflikten führen

Der städtische Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr hatte sich extra zu einer Ortsbegehung getroffen, doch das überzeugte nicht jeden von der Sinnhaftigkeit der Pläne. Speziell Rolf Diefenthäler (FDP) hat "große Probleme" mit dem Funktionieren von Shared Space bei stark erhöhtem Radverkehr: "Ich kann's mir nicht vorstellen", meinte er.

"Ja, es wird Konflikte geben", gestand der scheidende Leiter der Stadtplanungsabteilung, Robert Ahrnt, ein. Aber die Alternative wäre ein Radweg entlang der Straße - "und dann würden die schnellfahrenden Radler Busse, Taxen und Autos kreuzen". Die Regionalpark GmbH, die für die Raddirektverbindung zuständig ist, sei "sehr einverstanden" mit der Planung der Stadt. "Wichtig ist eine Kennzeichnung für Radler: Dort endet der Bereich, wo schnell gefahren werden darf", so Ahrnt. Natürlich sei eine Abtrennung des Radverkehrs immer besser, sie diene der Beschleunigung. "Aber das geht dort nun mal nicht."

Langen: "Die Dreieicher sind verrückter als wir"

Erster Stadtrat Stefan Löbig (Grüne) ist der gleichen Meinung: "Eine Mischfläche ist die vernünftigste Lösung für den Radverkehr." Fachbereichsleiter Carsten Weise hat bei der Begehung eine besondere Erkenntnis gewonnen: "Das größte Problem sind die Autos, die illegal in den Bereich hineinfahren." Dem müsse ein Riegel vorgeschoben werden.

Rainer Bicknase (SPD) stellte sich hinter die Planung: "Wenn man die Verkehrsfläche bewusst ungeregelt lässt, führt das zum höchsten Maß an Rücksichtnahme." Wobei auch ihm klar ist: "Dass es immer irgendwelche Idioten gibt, die nicht wissen, wie man Rücksichtnahme schreibt, wissen wir. Aber dagegen helfen auch keine Schilder." Im Übrigen sei bekannt, dass auf der Trasse nicht überall uneingeschränkte Vorfahrt für Radler gelten könne: "Die Dreieicher sind viel verrückter als wir: Die führen den Radschnellweg durch die ganze Stadt. Das habe ich nie verstanden."

Radschnellweg: Gesamtkonzept soll mit der Deutschen Bahn besprochen werden

Sein Fraktionskollege Frank Gottschling assistierte: "Keine der Alternativen ist risikolos. Das hier ist ein gangbarer Weg, es gibt einfach keine Lösung, die besser ist." Auch die Grünen können sich mit den Plänen anfreunden, wobei Rainer Schöner eine bauliche Abbremsung des Radverkehrs vor dem Shared-Space-Bereich forderte. Zudem stimmte die UWFB zu, Christdemokraten, FDP und FWG-NEV enthielten sich. Damit ist das Votum des Ausschusses noch nicht als Vorentscheidung zu werten.

Wobei der vorliegende Antrag sowieso noch keine endgültige Ausführung nach sich zieht: Vielmehr soll das Gesamtkonzept für die Bahnhofsostseite Grundlage für Gespräche mit der Deutschen Bahn sein. Shared Space soll als von der Stadt bevorzugte Variante in die weiteren Planungen der Raddirektverbindung eingebracht werden. Und schließlich soll die Verwaltung ermächtigt werden, die Planung und Finanzierung eines Fahrradparkhauses (unter Ausschöpfung sämtlicher Fördermittel) vorzubereiten.

Radschnellweg von Langen bis Darmstadt: Der Bauplan steht

Die Radschnellverbindung soll von Darmstadt bis Frankfurt führen. Geplant ist die Realisierung in fünf Bauabschnitten bis 2022. Der erste, 3,6 Kilometer lange Abschnitt (Egelsbach-Wixhausen) wurde am 6. Juni eröffnet. Planungsaufträge für weitere Abschnitte in Langen, Dreieich und Neu-Isenburg sind von der Regionalpark GmbH vergeben. In Langen ist der Baubeginn für 2020 vorgesehen - und zwar im Südbereich zwischen der Holzbrücke an der Grenze zu Egelsbach und der Walter-Rietig-Straße. 2021 soll von dort der Rad- und Gehweg bis zur Bahnhofsanlage ausgebaut werden. Ebenfalls 2020 soll nördlich des Bahnhofs der Ausbau der Liebigstraße mit dem dortigen Radweg starten. Für die Planung des Bahnhofsbereichs wird erst die Zustimmung des Stadtparlaments benötigt. Am Ende der Liebigstraße ist eine Brücke über die Leerweg-Unterführung vorgesehen, auch diese wird bereits geplant. 

ble

Die Stadt Frankfurt beginnt dieses Jahr mit der Planung der Frankfurter Teilstrecke des Radschnellweges nach Darmstadt. Dafür wird es höchste Eisenbahn, denn der erste Teil der Direktverbindung ist sogar schon in Betrieb. In Langen haben sich die Planungen zum Radschnellweg bis Mai 2020 deutlich konkretisiert*. 

Eine 16 Jahre alte Radfahrerin ist bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt worden. Sie wird mit einem Hubschrauber in die Klinik geflogen - und verstirbt dort.

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