Langsamer für mehr Sicherheit

Anwohner des Hohlen Grabens kämpfen für Tempo 30

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30 statt 50: Sie machen sich für eine Geschwindigkeitsreduzierung stark und fordern das Schild mit der rot umrandeten 30 für den Hohlen Graben, (von links) Dr. Christoph Pohl, Margarete Himmler, Christoph Klapsing.

Fritzlar. Die Verkehrssituation in Fritzlar ist ein Dauerthema, auch für die Anwohner des Hohlen Grabens.

Sie empfinden den zunehmenden Verkehr als belastend und fordern eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer. Das haben sie der Stadt mehrfach mitgeteilt und eine Unterschriftenaktion gestartet, an der sich fast alle Anwohner beteiligten.

„Weil es uns um die Sicherheit geht“, sagt Dr. Christoph Pohl. Denn es komme täglich zu gefährlichen Situationen. Der Hohle Graben sei eine stark befahrene Durchgangsstraße. Weil es eine Straße mit benutzungspflichtigem Radweg ist, ist eine Tempo-30--Zone laut Straßenverkehrsordnung ausgeschlossen.

Die Straße wird durch Schulwege gekreuzt, „Leider halten sich die Verkehrsteilnehmer nicht immer an die Geschwindigkeit, was die Situation noch verschärft“, erklärt Pohl. Dafür sorgten auch die Linienbusse. „Ihnen können Laster oder Traktoren auf der nur 5,50 Meter breiten Straße nicht ausweichen“, beschreibt Pohl. Das führe dazu, dass die Busse auf den Rad- und Fußweg ausweichen.

Charakter verändert 

Der Charakter der Straße habe sich seit 2010 erheblich verändert. Mittlerweile sei ein Wohngebiet entstanden. Weitere 30 Grundstücke und Parkplätze sollen entstehen. Darauf müsse man reagieren.

„Durch eine Geschwindigkeitsreduzierung von Tempo 50 auf 30 verlängert sich die Fahrzeit von 36 Sekunden auf rund eine Minute. Das führt zu keiner nennenswerten Beeinträchtigung für den Verkehr, der den Hohlen Graben passiert“, sagt Pohl. Und genau das hat er Bürgermeister Hartmut Spogat geschildert. Ärgerlich sei , dass kein Gesprächstermin mit Spogat zu bekommen war.

„Wir sind keine Querulanten“, sagt er dann. Doch mittlerweile sei der Ärger bei ihm und seinen Mitstreitern groß: „Wir fühlen uns von der Stadt und vom Bürgermeister nicht ernst genommen.“ Grund dafür: Eine Unterschriftenaktion und monatelanger Schriftverkehr mit der Verwaltung brachte sie ihrem Ziel keinen Schritt näher. Im Gegenteil: Bei einer Verkehrsschau wurde die Bitte der Anwohner abgelehnt (siehe Artikel).

„Die Gründe dafür sind nicht transparent“, sagt Pohl. Weder die Begründung der Ablehnung noch die Zusammensetzung der Verkehrskommission seien ihm zum Beispiel klar geworden. Und: Bei der Verkehrsschau habe niemand mit den Anwohnern gesprochen. Stattdessen fühle man sich abgewimmelt.

Hinzu komme, dass die Stadt sachlich falsche Antworten gebe. Denn die Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer sei durchaus möglich. Dadurch würde der Stadt auch kein finanzieller Schaden entstehen, wie die Stadt befürchte. Für den Straßenbau sei zwar Fördergeld geflossen, doch das müsse nur zurückgezahlt werden, wenn man eine Tempo-30-Zone einrichte - gegen eine Geschwindigkeitsreduzierung spreche dagegen nichts.

„Wir haben kein Argument gefunden, dass tatsächlich dagegen spricht“, sagt Pohl und ist enttäuscht. Deshalb überlege er, den Klageweg zu beschreiten.

„Das Ergebnis kann dann auch sein, dass es nicht möglich ist, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Das Geld setze ich gerne ein, um die Entscheidung zu verstehen.“

Das sagt Bürgermeister Spogat 

Die Entscheidung gegen die Geschwindigkeitsreduzierung habe er nicht allein getroffen, betont Bürgermeister Hartmut Spogat im HNA-Gespräch. Es habe eine Verkehrsschau stattgefunden. Daran nahmen Vertreter von Hessen Mobil, der Polizeidirektion Homberg, der Polizeistation Fritzlar und der Straßenverkehrsbehörde teil. Einstimmig habe man sich gegen die Geschwindigkeitsbeschränkung ausgesprochen - auch gegen den Fußgängerüberweg.

Schriftlich schilderte Spogat Christoph Pohl die Gründe: Das allgemeine Risiko werde nicht erheblich überschritten. Die örtlichen Verhältnisse im Hohlen Graben wichen in keiner Weise von üblichen Gegebenheiten ab und sorgten auch nicht für eine nicht hinnehmbare Beeinträchtigung durch den Straßenverkehr. In vielen Straßen seien gleiche oder ungünstigere Verhältnisse vorzufinden. Die Straße stelle keinen Unfallschwerpunkt dar. Auch wenn Busse die Gehwege im Einzelfall nutzten, rechtfertige dies keine generelle Verkehrsbeschränkung. Um den Anwohnern entgegen zu kommen, werde eine zweite Verkehrsschau stattfinden, sagt Spogat.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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