Interview zur Melsunger Kommunalpolitik

Bernhard Lanzenberger (CDU): "Bin eher kein Mann für die zweite Reihe"

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Der alte und der neue: Bernhard Lanzenberger im Arbeitseinsatz für die CDU am Melsunger Rathaus. Nach zehn Jahren gibt er den Fraktionsvorsitz an Lars Kühn, links, ab.

Melsungen. Bernhard Lanzenberger war zehn Jahre lang Fraktionschef der CDU im Melsunger Stadtparlament und kandidierte 2004 fürs Bürgermeisteramt. Jetzt legte er sein Amt nieder.

In den Kreistag zieht der langjährige stellvertretende Kreisvorsitzende dennoch ein.

Herr Lanzenberger, sind Sie ein Mann für die zweite Reihe?

Lanzenberger: Eher nein.

Haben Sie daher Ihr Mandat für die Stadtverordnetenversammlung zurückgegeben?

Lanzenberger: Ja, ich wollte dann auch konsequent sein.

Falls Sie schon vorher wussten, dass Sie hinschmeißen, ist das dann nicht Wählertäuschung?

Lanzenberger: Ein Wählerauftrag war erkennbar, das stimmt. Das hat mir die Entscheidung schwerer gemacht. Ich hatte aber auf einen Politikwechsel gehofft. Ich möchte die Verantwortung für das übernehmen, was in den vergangenen Jahren gelaufen ist oder eben nicht gelaufen ist.

Immerhin stellen Sie den Bürgermeister und haben die SPD-Kandidatin Ulrike Hund geschlagen. Sind Sie nicht zufrieden mit der Arbeit des Bürgermeisters? 

Lanzenberger: Das stimmt, die CDU hat seinerzeit Markus Boucsein unterstützt. In der faktischen Ausführung des Amtes ist jedoch kein großer Unterschied zu sehen.

Wieso, ist Ihnen der Bürgermeister zu SPD-nah?

Lanzenberger: Ich persönlich hätte mir einfach mehr Bürgermeister in der inhaltlichen Arbeit gewünscht.

Was meinen Sie damit?

Lanzenberger: Einzelne Personen haben mir einen zu großen Einfluss auf die Kommunalpolitik in Melsungen. Die parlamentarische Arbeit lebt jedoch vom Ideenwettbewerb und der Kompromissbereitschaft. Das fehlt mir in Melsungen.

Nennen Sie doch mal ein Beispiel.

Lanzenberger: Wir haben jahrelang erfolglos versucht, einen Waldkindergarten in Melsungen einzurichten. Ein Angebot, das in vielen Städten und Gemeinden toll funktioniert und von den Eltern angenommen wird. In Melsungen mit der SPD war das nicht möglich. Die inhaltliche Argumentation war schwach, es könnte einfach daran gelegen haben, dass der Vorschlag von uns kam.

Haben Sie im Magistrat mit CDU-Positionen denn mit ihrem Bürgermeister einen besseren Stand?

Lanzenberger: Zuletzt hat der Magistrat immer kollegial zusammengearbeitet. Dort spielten Parteigrenzen bisher keine so große Rolle.

Wäre das nicht eine Aufgabe für Sie gewesen?

Lanzenberger: Wir haben mit Barbara Braun-Lüdecke eine sehr gute Stadträtin für diese Position, die sie gerne weiter ausführen möchte. Ich bin ohnehin dienstlich stark eingespannt. Diese zeitaufwändige Funktion käme daher nicht in Frage.

Werden Sie denn ihr Kreistagsmandat annehmen? Seit März sind Sie ja nicht mehr stellvertretender Kreisvorsitzender. 

Lanzenberger: Ja. Nicht mehr kommunalpolitisch zu arbeiten, ist keine Option. Im Landkreis stehen uns spannende Jahre bevor.

Welche Themen meinen Sie?

Lanzenberger: Große Herausforderung für unseren Landkreis ist sicher die Infratruktur flächendeckend sicherzustellen. Ich denke an den Breitbandausbau in der Fläche. Da sind wir zu langsam. Wir könnten doch innerhalb des Landkreises anfangen zu bauen und dann die Leitungen verbinden nach Kassel. Für uns ist das ein relevanter Standortfaktor. Da hängen Firmen und Arbeitsplätze dran. Mit dem Angebot im Personennahverkehr werden wir uns auch beschäftigen müssen.

Streben Sie im Kreis eine Funktion an?

Lanzenberger: Nein, weder den Fraktionsvorsitz noch einen Sitz im Kreisausschuss.

Was erwarten Sie für eine Koalition auf Kreisebene?

Lanzenberger: Die SPD wird als stärkste Fraktion mit der FWG ihre Koalition um einen weiteren Partner ergänzen. Das könnten die FDP oder die Grünen sein.

Die CDU kommt nicht in Frage?

Lanzenberger: Wenn die Verhandlungen scheitern, ist eine Große Koalition denkbar. Wir wären aber auch der teuerste Partner.

Den Ersten Kreisbeigeordneten würde dann die CDU stellen.

Lanzenberger: Für diesen unwahrscheinlichen Fall wäre das eine Option.

Und der werden Sie?

Lanzenberger: (lacht)

Gibt es etwas, dass sie der Melsunger Stadtverordnetenversammlung mit auf den Weg geben wollen?

Lanzenberger: Ich würde mir einen anderen Umgang miteinander für die Stadt wünschen. Vielleicht gelingt das ja gerade ohne mich.

Was machen Sie jetzt mit den vielen freien Abenden?

Lanzenberger: Ich bin mehr zu Hause und habe mehr Zeit, als Papa da zu sein. Unser fünf-jähriger Sohn freut sich sehr darüber. Es fühlt sich sehr gut an.

Zur Person

Bernhard Lanzenberger wurde am 27. Dezmeber 1973 in Kassel geboren, das Abitur folgte 1993 in Kassel. Lanzenberger ist Diplom-Wirtschaftsjurist (FH) und leitet die Abteilung Kundenservice der SV Sparkassen Versicherung in Erfurt. Sein Lebenmittelpunkt ist Melsungen, er pendelt regelmäßig. Seit 1991 ist Lanzenberger Mitglied in der CDU. Zehn Jahre war er Fraktionsvorsitzender in Melsungen. Von 1998 bis 2016 stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU und 2004 kandidierte er für das Bürgermeisteramt in Melsungen. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne (5 und 16).

Quelle: HNA

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