Mehr Verkehr durch Autobahnmaut

Laster rauben den Schlaf

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Lastwagen im Minutentakt: Michael Sticht hat den Verkehr vor seinem Haus an der Melsunger Schlossstraße beobachtet. Um Mitternacht zählte er 21 Laster in zehn Minuten.

Melsungen. „Wenn ein Lastwagen vorbeifährt, dann wackelt hier alles“, sagt Michael Sticht, „das sieht dann so aus.“ Er packt den Tisch mit beiden Händen und ruckelt ihn heftig hin und her.

Michael Sticht wohnt mit seiner Frau Doris und dem 14-jährigen Sohn David direkt an der Melsunger Schlossstraße. 1998 ist die Familie in das Haus gezogen - ohne zu ahnen, was auf sie zukam.

Zwar war den Stichts damals schon bewusst, dass sie an die Bundesstraße 83 ziehen, die natürlich stark befahren ist. Aber: „Richtig schlimm ist es mit dem Lkw-Verkehr erst mit der Einführung der Autobahn-Maut geworden“, erklärt Michael Sticht. Das war 2005. Seitdem, so schildert Sticht, weichen viele Lastwagen fahrer der Autobahn aus und fahren stattdessen über die Bundesstraße. Darunter leiden nach Ansicht von Michael Sticht alle Anwohner der Schloßstraße. „Ich habe mich mal hingesetzt und mitgezählt“, sagt er. „21 Lastwagen in zehn Minuten waren es um Mitternacht.“ Tagsüber könnten die Lkw nur langsam fahren, denn die Straße sei voll mit anderen Fahrzeugen. Doch nachts sei der Weg frei: „Dann knallen die hier durch“, schildert der 51-Jährige.

„Wir können das Schlafzimmerfenster nicht auflassen“, sagt Doris Sticht. „Und wenn nachts eine Spur auf der Autobahn gesperrt ist, dann machen wir hier kein Auge mehr zu“, ergänzt ihr Mann. So sehr spüren sie die Erschütterungen durch den Schwerverkehr.

Diese Erschütterungen sieht man dem Haus an: Innen und außen ziehen sich große Risse durch die Wände. „Ich habe sie schon mehrfach zugemacht, aber die Risse gehen immer wieder auf“, sagt Michael Sticht. Seine Forderung: „Man müsste die Straße für Lastwagen sperren.“ Eine Ausnahmeregelung, schlägt Sticht vor, könne man für Fahrzeuge treffen, die Unternehmen in der Region beliefern müssen.

Risse in der Wand: Doris Sticht zeigt, welche Spuren die Erschütterungen durch den Lkw-Verkehr im Haus hinterlassen haben.

Zu diesen Unternehmen gehört Edeka Hessenring. Laut Geschäftsführer Hans-Richard Schneeweiß fahren jede Woche 2000 Lastwagen am Firmensitz in Melsungen ein und wieder aus. 20 Prozent davon fahren über die Schlossstraße in Melsungen. Die Autobahn 7 sei wegen der Helterbachtalbrücken-Baustelle derzeit keine Alternative zur B 83: „Ich musste kürzlich Ware für 60 000 Euro vernichten, weil ein Lastwagen auf der A 7 vier Stunden lang im Stau stand“, sagt Schneeweiß. Aber auch unabhängig von der Baustelle sei der Weg über die B 83 zu bestimmten Zielen einfach der Schnellste.

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Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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