Bis zu 80 Laster am Tag: Altenburger leiden unter Baustellen-Verkehr

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Jürgen Rath

Altenburg. Geschirr klirrt in den Schränken, wenn die donnernde Karawane von Lastern durch Altenburg rollt. Bis zu 80 Fahrzeuge an einem Tag hat die Anwohnerin Angie Boor gezählt.

Seit Anfang des Jahres sei das Verkehrsaufkommen in dem Stadtteil von Felsberg stark gestiegen, beobachtet die ehemalige Ortsvorsteherin von Altenburg.

„Die Fahrzeuge kommen von der Helterbachtalbrücke“, weiß Jürgen Rath, Erster Stadtrat von Felsberg. Die Lkw fahren derzeit Abraum von der Baustelle über Felsberg in die Kiesgrube bei Lohre. Auf ihrem Rückweg durchfahren sie ohne Ladung Altenburg. 60 bis 100 Touren würden die Transporter am Tag fahren. „Diese Transporte geben unseren Kreisstraßen den Rest“, sagt Rath.

Die Straßen seien nicht so ausgebaut wie eine Bundesstraße. Die Felsberger müssten dabei zusehen, wie ihre Straßen zugrunde gehen. Zugleich schwinge die Angst der Anwohner mit, dass sie selbst für Schäden, beispielsweise an den Gehwegen, aufkommen müssten.

Neben dem Lärm und Schmutz, der durch die Baustellenfahrzeuge entsteht, sieht Boor eine weitere Gefahr: „Die Straße durch Altenburg ist viel zu eng. Der Gegenverkehr muss auf Höfe ausweichen, zum Teil fahren die Laster auch auf dem Bürgersteig“, sagt Boor.

Um den Verkehr gleichmäßig zu verteilen, verlaufe die gewählte Route im Kreis. Hin- und Rückweg der Laster führen daher durch unterschiedliche Stadtteile. „Damit wird auch der Begegnungsverkehr in Altenburg reduziert“, sagt Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz.

Das denkmalgeschützte Dorf, das an ein Naturschutzgebiet angrenzt, werde auch von vielen Spaziergängern, Joggern und Reitern durchquert. „Die Idylle unseres Dorfes wird durch die Lkw-Kolonnen total zerstört“, sagt Boor.

Außerdem würden die Fahrzeuge die Tempo-30-Zone regelmäßig missachten und schneller durch das 27-Seelen-Dorf fahren. Auch Jenny Drinkuth, die öfter mit ihren zwei Pferden in Altenburg unterwegs ist, kennt das Problem. „Ich muss durch den Ort, um ins Ausreitgelände zu gelangen“, sagt sie. „Manchmal weiß ich nicht, wem ich zuerst ausweichen soll, dem Verkehr hinter mir oder dem Gegenverkehr.“

Angie Boor kritisiert, dass vorher nicht geprüft wurde, ob die Straße für den Schwerverkehr geeignet ist. Vier Kanaleinbrüche habe es bereits vor Jahren gegeben, die Straße sei nur notdürftig gefklickt worden. Viele Schlaglöcher lassen sich in der Asphaltdecke erkennen, über die die Fahrzeuge rumpeln.

Dadurch dass die Straße jedoch für den öffentlichen Verkehr zugelassen ist, sei eine zusätzliche Prüfung nicht erforderlich, sagt Jens Becker, Leiter des Fachbereichs Grundstücks- und Gebäudewirtschaft vom Schwalm-Eder-Kreis. Die Bevölkerung von Felsberg, Gensungen und Altenburg ächze unter der Belastung des Verkehrs. „Eine Lösung haben wir nicht“, sagt Rath. Das sei das große Problem.

Was Hessen Mobil zu der Verkehrsbelastung in Altenburg sagt, lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Melsunger Allgemeinen.

Von Miriam Linke

Quelle: HNA

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