Laut und brüllend komisch

Laut und brüllend komisch: Gaby Köster begeisterte im Wolfhager Kulturzelt

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Umringt von den Fans: Gaby Köster nach ihrem Auftritt im Spiegelzelt beim Signieren von Autogrammkarten. Fotos:  Hoffmann

Wolfhagen. Jeder hat sie noch vor Augen, die Bilder von Gaby Kösters erstem Fernsehauftritt nach ihrem schweren Schlaganfall. Als sie mutig vor die Kameras trat, halbseitig gelähmt, geistig aber topfit.

Mit Gänsehaut werden jene Momente wieder lebendig, als am Samstagabend im Kulturzelt die damalige Anmoderation aus den Boxen schallt, die die quirlige Ruhrpott-Komikerin zurück im Leben begrüßt. „Es geht immer weiter. Mach doch wat de willst, dann wirste auch nich‘ jeck“, eröffnet die Entertainerin, während sie langsam die Bühne heraufgeführt wird, es sich auf dem beleuchteten Sessel gemütlich macht und den tosenden Applaus der rund 200 Wolfhager in sich aufzusaugen scheint. Die Zeiten, in denen Köster als quirlige Rita über die Bühnen wirbelte, die scheinen tatsächlich vorbei. Alles andere aber ist wie immer: Köster ist laut, brüllend komisch und vor allem ist sie eins: dankbar, wieder zurück zu sein.

Echte Herausforderung

Munter berichtet sie von ihren alltäglichen Problemen, etwa dem Einkaufen mit Rollstuhl in der Kölner Innenstadt. „Eine echte Herausforderung“, wie sie sagt. Im Universum und bei sämtlichen Erzengeln im Vorfeld einen Lala-Parkplatz - so nennt sie die Behindertenparkplätze -bestellt, habe sie kürzlich am selbigen angekommen einen Porsche Cayenne vorgefunden.

Am Steuer eine blonde „Mitfuffzigerin“, die mit ihrem Porsche-Bobbycar gleich drei Behindertenparkplätze blockiert habe, um nicht nur einen Behinderten zu diskriminieren. „Ich guckte in ein Gesicht des Grauens und sah schnell, dass eine massive Behinderung vorlag, allerdings nicht im Geläuf.“ Fratzenschneiden sei bei der Dame nicht mehr möglich gewesen, „die ganze Fresse war mit Botox durchschossen“. Der sitzt, das Gelächter ist groß und alle freuen sich, dass Köster noch immer so herrlich frotzeln kann, wie man es von ihr gewohnt ist.

Doch zeitweise wird es auch ganz still im Zelt. Dann, wenn Köster aus ihrem Buch „Ein Schnupfen hätte auch gereicht - meine zweite Chance“ vorliest, von den körperlichen Folgen des Schlaganfalls und anfänglichen Komplikationen berichtet. „Da kommt der Professor und erklärt mir, ich solle mich nicht aufregen, aber er müsse mir die Schädeldecke entfernen“, erinnert sie sich. „Jung, wenn de meinst du kannst dat und et is nötig, dann mach et, aber frag mich nich um Hilfe.“

Es ist bewegend zu sehen, wie Köster mit ihrem Schicksal umgeht. Nämlich so, als sei nichts geschehen. Lob und Bewunderung, dass sie wieder auf der Bühne steht, will sie nicht. „Warum, ich tue doch nur meinen Job und das tue ich gern.“ Über die Standing Ovations zum Schluss freut sie sich dennoch, und die hätte sie zu hundert Prozent auch ohne Schlaganfall verdient, nämlich für anderthalb Stunden trockenen Humor, den eben nur eine Gaby Köster liefern kann.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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